[GESPIELT] Holmes – Sherlock gegen Moriarty

Schon wieder ein Artikel über Sherlock Holmes?

Tja, was soll ich machen? Ich hatte unlängst Geburtstag und habe vom Lieblingskollegen ein Holmes-Spiel geschenkt bekommen. Ich kann ja nichts dafür, dass meine Freunde meine Interessen kennen, oder?
Außerdem hatte ich so viel Spaß beim Spielen, dass ich es irgendwie unangebracht fände, das Spiel hier nicht zu erwähnen. Freude muss man teilen. Das weiß doch jeder.

IMG_20170513_173853_520 Also, worum geht es bei Holmes? Nun, nach einem Blick auf den Titel muss man kein Sherlock Holmes sein, um das zu erraten: Es geht natürlich um Holmes und Moriarty. „Elementary, my dear Watson!“ würde der Detektiv jetzt vielleicht sagen. (Aber auch nur vielleicht.)*
Die Spielbeschreibung auf der Schachtel wird allerdings dann doch noch etwas konkreter: Auf das britische Parlament wurde ein Anschlag verübt! Die Beweise sind rar und Scotland Yard tappt im Dunkeln. Da kann nur einer helfen: Sherlock Holmes! Doch im Hintergrund zieht auch Professor Moriarty seine Fäden und versucht eifrig, Spuren zu verwischen. Und so entbrennt ein Duell zwischen den beiden brillantesten Köpfen Londons. Nur wer die meisten Hinweise findet, wird erfolgreich sein. Löst Holmes den Fall oder kommt Moriarty ein weiteres Mal ungeschoren davon? 

„Kann ich Moriarty sein?“ fragte meine Mitspielerin, nachdem ich diesen Text vorgelesen hatte. Das traf sich, denn ich bin nicht gern der Bösewicht. Das Wichtigste hatten wir also schon geklärt. Nun ging es nur noch darum, uns mit den Regeln vertraut zu machen. Vielleicht ist es an dieser Stelle erwähnenswert, dass wir uns eigentlich zu einem Sektfrühstück getroffen und den Entschluss, das Spiel auszuprobieren, spontan gefasst hatten.
Dementsprechend bereiteten uns die Regeln anfangs vielleicht ein paar Problemchen. Erstens weil wir nach einer Flasche Sekt schon etwas angetüdelt waren und zweitens weil wir eine ganz andere Vorstellung von dem Spiel hatten. Beide hatten wir angenommen, hier tatsächlich ein Rätsel lösen zu müssen – ähnlich wie bei Cluedo. Tatsächlich geht es aber „nur“ darum, Karten zu sammeln. Als wir das erstmal begriffen hatten, ging es ganz einfach:
Jeder Spieler darf pro Runde drei Spielzüge ausführen und dabei möglichst viele (passende) Hinweiskarten sammeln. Um Karten zu erhalten, „besucht“ man pro Spielzug eine Person vom Spielbrett – wobei jeden Tag eine neue Person die illustre Runde ergänzt. Je nach Fähigkeit der Person kann man hier Lupen (die Währung der Spiels) erhalten, oder Lupen gegen Aktionen tauschen – z.B. eine bestimmte Anzahl Hinweiskarten vom Stapel zu ziehen, oder dem Gegner wegzunehmen. Ziel ist es, mehr Hinweiskarten einer Art (Fingerabdrücke, Patronenhülsen, Zigarettenstummel etc.) als der Gegner zu sammeln. Dabei ist aber nicht zwingend offensichtlich, welche Karten man sammelt, da man einige verdeckt lassen darf. Nach rund 30 Minuten ist das Spiel vorbei und es wird abgerechnet.

IMG_20170506_135507_232Die Personenkarten sind dabei vermutlich das spannendste Element das Spiels. Zum einem vermittelt es dem geneigten Sherlockianer ein heimeliges Gefühl, Watson, Mrs. Hudson und Co. auf dem Spielplan zu sehen. Zum anderen haben sie alle unterschiedliche Fähigkeiten, wodurch das Spiel nicht in Gefahr gerät, in Ödigkeit auszuarten. Besucht man beispielsweise den guten, alten Watson, muss man eine Lupe löhnen und erhält dafür eine Hinweiskarte aus der Auslage. Besucht man dagegen die Wahrsagerin, zieht man drei Karten, behält davon eine verdeckt, gibt die restlichen zwei an den Gegner, der davon allerdings nur eine behalten darf und diese offen auslegen muss.
Bis man sich die Fähigkeiten/ Löhne der einzelnen Personen gemerkt hat, dauert es allerdings etwas – bestimmt auch ohne Sekteinfluss. Aber man entwickelt natürlich schnell eine Vorliebe für die eine oder andere Person – oder eine Abneigung weil sie zu viele Lupen für ihre Dienste verlangt. Bei uns fielen beispielsweise Sätze wie „Irene Adler kann ick nich‘ leiden!“ oder „Billy? Der kann doch nix!“

Anders als das Holmes-Thema es vermuten lassen würde, ist das Spiel schön kurzweilig und fordert nicht permanent die Aufmerksamkeit des Spielers. Klar, ein bisschen darauf achten, welche Karten der Gegner sammelt, sollte man natürlich, aber es bleibt Raum für Gespräche, Geplänkel und Klamauk am Rande. Uns hat es zum Beispiel auch Spaß gemacht, beim Spielen tatsächlich ein wenig in die Rollen von Holmes und Moriarty zu schlüpfen und die Dialoge dahingehend ein wenig anzupassen. („Damit kommst du nicht durch, Moriarty!“) Aber wie gesagt: Eine Flasche Sekt.

Nachdem das erste Spiel unentschieden ausgegangen war, konnten wir es natürlich nicht bei einer Partie belassen – Duelle wie diese können schließlich nicht ergebnislos ausgehen. Weil wir aber einfach viel Spaß hatten, spielten wir nicht nur die eine entscheidende Partie, sondern gleich noch vier weitere. Die hat Holmes zwar alle gewonnen, doch ich bin sicher, dass Professor Moriarty nicht ruhen wird, bis er den Meisterdetektiv geschlagen hat. Per Whatsapp hat er bereits zu einer Revanche herausgefordert. Die kann er haben!

Auch wenn Holmes ganz anders war als erwartet, ist es ein schönes Spiel und ein toller Zeitvertreib für Zwischendurch. Es eignet sich besonders für Fans von Anlege- und Sammelspielen, Freunde der Charaktere aus den Holmes Geschichten und sogar – das konnte unlängst in diesem unabhängigen Test bestätigt werden – für leicht bis mittelschwer alkoholisierte Spieler.


* Fun Fact: Obwohl dieser Satz als berühmtestes Holmes Zitat gilt, hat Holmes es in keiner der 60 Geschichten von Arthur Conan Doyle tatsächlich gesagt.

Hier noch ein paar Eckdaten zum Spiel:

Autor: Diego Ibanez
Verlag: KOSMOS
Spieldauer: 30 Minuten
Spieleranzahl: 2 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Artikelnummer: 692766

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