The Doctor is in!

So. Nachdem man Millionen Whovians grausamerweise gezwungen hat, Tennis zu schauen, nur um die große Enthüllung des neuen Doctors nach dem Wimbledon Finale nicht zu verpassen, ist es jetzt endlich raus: Der 13. Doktor ist eine Frau! Ihr Name – und das gerät bei dem Trubel um ihr Geschlecht gerne in Vergessenheit – ist Jodie Whittaker. Was sagt man dazu? Hurra? Buh? Meh? 

Die Fanbase im Internet ist geteilter Meinung – mit gemeinen, witzigen, überschwänglichen Kommentaren wird nicht gerade sparsam umgegangen. Die einen feiern die Entscheidung, andere sehen darin den Niedergang der Serie und wieder andere warten lieber erst einmal ent- oder gespannt ab, ehe sie ihr Urteil fällen – vernünftig.
Ich persönlich befinde mich momentan noch irgendwo dazwischen. Ich werde nicht aufhören, die Serie zu schauen, nur weil der Doktor nun eine Vagina hat – das wäre ja auch ziemlich beknackt. Aber so wirklich begeistert bin ich von der Casting-Entscheidung auch noch nicht. Ich sage „noch“ weil ich mich natürlich gern überraschen und eines Besseren belehren lassen will.

Ich weiß, dass sich viele, der im Internet besonders lautstarken Fans, einen weiblichen Doktor gewünscht und, ja, ihn sogar gefordert haben. Mir persönlich erschloss sich die Notwendigkeit, diese spezielle Figur weiblich zu besetzen, allerdings ehrlich gesagt nicht so recht. Ja, natürlich brauchen wir mehr starke, intelligente Frauen auf den Leinwänden, in Büchern und in Videospielen. Dass sich auch in der fiktionalen Welt in dieser Hinsicht etwas ändern muss, sollte jeder erkennen können. Aber dazu einen Charakter, der über 50 Jahre hinweg männlich war, einfach weiblich zu besetzen, ist in meinen Augen auch nicht wirklich die Lösung. Eher Faulheit. Oder vielleicht Upcycling. Viel lieber wäre es mir doch, wenn diese weiblichen, starken, intelligenten Charaktere von Vornherein als Helden (oder wenigstens „normale“ Protagonisten) erschaffen und eben nicht – wie hier – nachbesetzt werden.
Eine Casting-Entscheidung jetzt als mutig und gar revolutionär zu feiern, finde ich daher auch irgendwie etwas übertrieben. Mutig wäre es in den 50ern oder 60ern gewesen, oder vielleicht noch beim Reboot der Serie. Aber jetzt? Nö. Jetzt ist es: Die Leute „in diesem Internet“ haben danach geschrien und deshalb machen wir das jetzt mal.
Ich habe außerdem die Befürchtung, dass man bei der BBC nun denkt, dass es mit der Besetzung getan ist und wieder in alte Schemata verfällt. Worst Case Szenario: Der Doktorin einen Schönling als Companion an die Seite stellen (für die marketingtechnisch nicht zu vernachlässigende Gruppe der heterosexuellen Fangirls) und dann eine schmalzige Liebesgeschichte entstehen zu lassen, in der die Doktorin eine etwas unterwürfige Rolle spielt.
Mein Hoffnungsschimmer ist in dieser Hinsicht allerdings, dass mit der neuen Staffel auch der federführende Drehbuchautor wechselt. Denn mit Steven Moffat wäre die ganze Sache mit Sicherheit in die Hose gegangen. Weibliche, vielschichtige Charaktere zu zeichnen, ist in meinen Augen nicht unbedingt Moffats Stärke. Ob Chris Chibnall das besser kann? Wir werden sehen.
Natürlich hängt der zukünftige Erfolg der Serie in nicht unerheblichem Maße von der Performance des neuen Doktors oder, in diesem Fall, der neuen Doktorin ab. Wird Whittaker in Ecclestons, Tennants, Smiths und Capaldis Fußstapfen treten können? Das kann und will ich vorab nicht beurteilen, dazu habe ich noch nicht genug von ihr gesehen. Bisher kenne ich sie nur aus Broadchurch wo sie mir weder positiv noch negativ im Gedächtnis geblieben ist. Wenn ich an einen weiblichen Doktor gedacht habe, hatte ich mir im Vorfeld allerdings eher Frauen wie Michelle Gomez, Lara Pulver oder Amanda Abbington vorgestellt – so richtige Kick-Ass Powerfrauen. So wirkt Jodie, zumindest auf den ersten Blick, auf mich zwar nicht, aber vielleicht/ bestimmt/ hoffentlich täusche ich mich da.

Ich bin in jedem Fall gespannt, was Chris Chibnall und Jodie Whittaker aus der Show machen. Es könnte unglaublich großartig, verdammt schrecklich oder vielleicht sogar unerträglich belanglos werden. Bis dahin bleibt die Serie wie bei jedem Doktor-Wechsel „Schrödingers Who“ – Gewissheit haben wir erst, wenn die neue Staffel startet.

P.S. Die Frage, ob der Doktor jetzt Doktorette, Doktorin, oder Doktress wird, muss man sich im Englischen glücklicherweise nicht stellen: The Doctor bleibt the Doctor. Ich bin sehr gespannt, wie das in der deutschen Übersetzung wohl verwurstelt wird.

10 replies

  1. Mir geht es ähnlich wie die. So ganz begeistert bin ich nicht, aber ich bleib der Serie auf jeden Fall treu und wenn ich länger drüber nachdenke dann könnte es auch ganz interessant werden. Wie immer gilt sowieso, dass auch die Schauspieler nur so gut sein können wie es die Geschichte zulässt. Chibnall ist ein guter Schreiber es könnte also durchaus funktionieren.

    Warten wir einfach mal alle gespannt darauf. Urteil werd ich auch erst nach dem Anschauen fällen sicherlich nicht jetzt.

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  2. Ich bin auch sehr gespannt. Interessant fand ich den Übergang, als der Master plötzlich in eine weibliche Form regenerierte und man damit nur sehr zögerlich begriff, dass sie der Master ist. Entweder müssen sie’s ganz selbstverständlich hinkriegen, quasi den Umstand, dass mit einer 50 Jahre alten Tradition gebrochen wird, schulterzuckend abtun, oder sie müssen es auf eine innovative Weise thematisieren. So denke ich zumindest. Ob’s klappt – aber das hast Du ja selbst geschrieben.

    Ich habe mit allen neuen Doktoren zuerst ein Problem gehabt, mit manchen länger (Capaldi, Smith), mit manchen kürzer (Tennant, Ecclestone) – vermutlich wird’s hier genauso sein. Was die Übersetzung angeht, finde ich es schwierig. Doktor Wer/Doctor Who als Fragesatz funktioniert dankenswerterweise ja auch im Deutschen, aber „Der Doktor“ zu „Die Doktorin“ kommt mir auch komisch vor. Die Synchro ist da, glaube ich, echt eine Herausforderung …

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  3. Also ich bin ja bisher noch nicht dazu gekommen die Serie zu schauen aber ich denke mir bei solchen das Geschlecht betreffenden Entscheidungen ja immer, erst mal abwarten und schauen wie sich die auserwählte Dame so anstellt ;-)!
    Ein gutes Beispiel für einen Fall, wo mich solch eine Geschlechterumwandlung sehr positiv überrascht hat, war, als sich die Macher von Elementary dazu entschieden hatten aus Watson eine Frau zu machen – und auch hier ist es vor allem Lius Performances die den Ausschlag dafür gab!
    Ein negatives Beispiel dafür war Thor! Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass der Charakter in den Comics auch weiterhin Thor heißt und überlegt doch mal, das wäre so ähnlich, als würde die nächste weibliche Superheldin Otto heißen….ich bin ja echt für Gleichberechtigung und mehr Geschlechterdiversität in den Medien aber da war bei mir eine Grenze erreicht.

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  4. Ich glaube auch, dass wir uns jetzt einfach überraschen lassen müssen. Da bringen die gesamten Spekulationen eh überhaupt nichts.
    Ehrlich gesagt finde ich auch viele der Diskussionen, die aktuell in der Fangemeinde geführt werden etwas lächerlich. Ist ja furchtbar, dass der Doktor jetzt eine Frau ist. Natürlich wird es jetzt in Doctor Who nur noch um Liebe, Mode und Kosmetik gehen … Das zeigt doch, dass es vielleicht doch ganz gut ist, dass auch so eine typischerweise von einem Mann besetzte Rolle mit einer Frau besetzt wird. Man könnte damit, wenn es gut umgesetzt ist, auf jeden Fall mit solchen Klischees aufräumen.

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