Alle Jahre wieder… Dickens, Doyle und Doktoren

Die Plätzchen sind gebacken, die Punsch-Gläser gefüllt, die Weihnachtsbeleuchtung aufgehangen, die Füße in weihnachtliche Socken und der Rest des Körpers in eine flauschige Decke gehüllt. Was fehlt noch? Richtig, eine schöne Geschichte.
Gerade in der Weihnachtszeit hat da jeder seine ganz persönlichen Favoriten und Präferenzen. Nur allzu gern widmet man sich hier Filmen und Büchern, die man schon tausendmal gesehen oder gelesen hat. Einfach, weil sie eben zur Weihnachtszeit dazugehören wie Lebkuchen und Christstollen. Für den einen ist es „Stirb langsam“ für den anderen „Buddy – Der Weihnachtself“. Für mich sind es diese hier:

lichterkette-1819445_640Der Klassiker

A Christmas Carol – Eine Weihnachtsgeschichte

Charles Dickens‘ A Christmas Carol ist eindeutig DER Klassiker unter den Weihnachtserzählungen. Die Geschichte rund um den schrecklichen Scrooge, dessen Herz durch die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und kommenden Weihnacht erwärmt wird, erwärmt auch meines jedes Jahr aufs Neue. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Geschichte schon gelesen, gehört und gesehen habe, aber doch bin ich immer wieder aufgeregt wenn ich A Christmas Carol aus dem Bücherregal ziehe.
Meine erste Begegnung mit dieser wunderen Geschichte war allerdings nicht das Buch, sondern die zauberhafte Verfilmung mit den Muppets. Und auch wenn ich mittlerweile eher eine Schwäche für Dickens‘ Original habe, vergeht kein Weihnachten, an dem die Muppets-Weihnachtsgeschichte nicht über meinen heimischen Bildschirm flimmert. Gleiches gilt auch für den Film Die Geister, die ich rief, mit dem fantastischen Bill Murray, der die Geschichte in ein etwas moderneres Umfeld versetzt und trotzdem nichts vom ursprünglichen Charme verliert.

lichterkette-1819445_640Ho Ho Holmes!

The Adventure of the Blue Carbuncle – Der blaue Karfunkel

Sherlock Holmes ist nicht unbedingt jemand, den man mit einer albernen Weihnachtsmütze vor dem Kamin antreffen würde. Was Weihnachten anbelangt, ist er vermutlich eher vom Typ Scrooge (bevor er von den Geistern heimgesucht wurde). Vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, dass Der blaue Karfunkel die einzige weihnachtliche Holmes-Geschichte ist. Aber was kümmert es, dass es nur die eine gibt, wenn die so gut ist, dass man sie immer wieder gerne hört? Die Geschichte ist nicht nur eine meiner liebsten Weihnachtsgeschichten, sondern auch gleichzeitig eines meiner liebsten Holmes-Abenteuer. Und sie ist außerdem der Grund dafür, dass sich Sherlockianer weltweit zur Weihnachtszeit mit den Worten „Compliments of the season“ zuprosten. Denn am zweiten Weihnachtsfeiertag macht sich Dr. Watson in dieser Geschichte auf, um Sherlock Holmes Weihnachtsgrüße – oder eben, wie er es ausdrückt, „The compliments of the season“ – zu überbringen. Aber wie es der Zufall nun so will, wartet in der Baker Street ein Abenteuer auf den guten Doktor. Ein Abenteuer, das mit einem verlorenen Zylinder und einer Weihnachtsgans beginnt, in deren Magen sich ein unglaublicher wertvoller Edelstein, der blaue Karfunkel, befindet. Wem gehört der Zylinder und noch viel wichtiger: Wer hat den gestohlenen Stein an die Gans verfüttert?
Am Ende wird Holmes vielleicht doch noch ein wenig vom weihnachtlichen Geist ergriffen, denn der Detektiv [SPOILER-ALERT] lässt den Verbrecher einfach laufen. Ho Ho Holmes!

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Angriff der Weihnachtsmänner

Doctor Who: The Christmas Invasion – Die Weihnachtsinvasion

Auf Whovians wartet zur Weihnachtszeit immer ein kleines Geschenk: Das Christmas Special.
Die Weihnachtsspecials spielen immer in einem winterlichen, weihnachtlichen Umfeld und sind oft der erste oder letzte Auftritt eines Doktors vor oder nach einer Regeneration. In diesem Jahr müssen wir in dieser Folge wieder einmal „Goodbye“ sagen: Das diesjährige Christmas Special wird Peter Capaldis Abschiedsvorstellung. (Ich persönlich lege mir Taschentücher bereit…)
Auch meinem bisherigen Lieblings-Christmas Special ging ein Abschied voraus. Christopher Ecclestons Doktor war in der Folge zuvor regeneriert und der neue Doktor, David Tennant, hatte in The Christmas Invasion seinen ersten großen Auftritt. Die meiste Zeit über liegt er allerdings bewusstlos in einem Pyjama im Bett herum, da ihn die Regeneration ziemlich geschwächt hat. Derweil treiben merkwürdige Weihnachtsmann-Kapellen ihr Unwesen, die mit ihren Trompeten Dinge in die Luft jagen, und ein Weihnachtsbaum gerät außer Kontrolle und läuft Amok – das verzaubert mich allein schon, weil es so wunderbar trashig ist. Zu allem Übel scheint ein Großteil der Menschheit am ersten Weihnachtsfeiertag vom Wunsch ergriffen zu sein, sich an den Rand von Hausdächern zu stellen und scheinbar auf ein Kommando von oben zu warten. Tatsächlich ist „oben“ auch genau das richtige Wort, denn die Besatzung eines Raumschiffs möchte den Planeten erobern. Wird der Doktor noch rechtzeitig aufwachen, um das zu verhindern? Bestimmt wird er das – und vielleicht gibt es als erste Amtshandlung sogar einen Schwertkampf. Was man eben so macht, direkt nach dem Aufwachen… lichterkette-1819445_640

Der wahre Geist der Weihnacht

This is Going to Suck

Der Titel ist wahrhaft nicht sonderlich weihnachtlich, die Geschichte selbst dafür umso mehr. Ich bin auf sie gestoßen, als ich durch das Audio-Archiv von „The Moth“ stöberte. Diese, einem Poetry Slam nicht unähnliche, Veranstaltungsreihe bietet all denjenigen eine Bühne, die wahre Geschichten aus ihrem Leben vortragen möchten – und This is Going to Suck ist eine der schönsten, die ich je gehört habe. Ich habe mir diese Erzählung sicherlich schon hundertmal angehört und ich habe jedes Mal Tränen in den Augen. Jedes Mal!
Geschrieben und vorgetragen wurde die Geschichte von Matthew Dicks. Er stammt aus einer zerrütteten Familie – die Kombination aus Streit und Armut hatte Weihnachten Zuhause jedes Jahr zu einer Qual werden lassen. Doch in dem Jahr, in dem This is Going to Suck spielt, hatte Matthew durch etliche Schichten bei McDonalds endlich einmal genug Geld gesammelt, um zumindest für all seine Freunde tolle Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Doch in der Aufregung und der Vorfreude vergisst er auf dem Weg zurück vom Weihnachtsshopping eine wichtige Sache: den Anschnallgurt anzulegen. Und landet kurz vor Weihnachten in der Notaufnahme…
„My parents… they don’t show up. I find out later that when they heard I was stable, they go check the car out first. And I’m waiting for a surgeon cause it’s December 23rd and they’re hard to find. And I’m waiting and I’m feeling alone…“
Doch zum Glück hat Matthew eines, auf das er sich verlassen kann: seine Freunde. Und sie geben ihm das beste Weihnachtsgeschenk, das man sich vorstellen kann…

(Wer möchte, kann sich die Geschichte hier anhören: The Moth – This is Going to Suck)

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Mehr Kitsch geht nicht

Love Actually – Tatsächlich Liebe

Mein Gott, wie viele schöne Menschen kann man eigentlich in einen Weihnachtsfilm packen? Und wie viel Kitsch passt in 155 Minuten Spielzeit?
Offensichtlich ganz, ganz viel. Aber das macht nichts. Wenn Colin Firth wie ein geprügelter Hund guckt, Hugh Grant den liebenswürdigen Trottel spielt, Martin Freeman sich während der Dreharbeiten von Sexszenen verliebt und Alan Rickman einfach generell den Mund aufmacht, ist die Welt plötzlich irgendwie in Ordnung. Ich weiß auch nicht. Es muss Liebe sein.

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Santa is real!

Miracle on 34th Street – Das Wunder von Manhattan

Wenn mir jemand erzählen würde, er wäre der Weihnachtsmann, würde ich ihm vermutlich einen Vogel zeigen. Und doch bin ich jedes Mal auf Kriss Kringles Seite, wenn er in Das Wunder von Manhattan genau das behauptet. Denn der nette Mann mit Bart spielt nicht nur den Weihnachtsmann in Cole’s Kaufhaus. Nein, er ist tatsächlich der echte Weihnachtsmann – sagt er zumindest. In einer Gerichtsverhandlung soll er deshalb für verrückt erklärt werden. Aber wie will man beweisen, dass es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt? Oder ist es im Grunde eigentlich egal, ob man es beweisen kann, weil am Ende nur der Glaube zählt? Hmmm?
Das Wunder von Manhattan (ich spreche übrigens von der 1994er Verfilmung) ist ein richtiges Kitsch-Spektakel, aber gleichzeitig so zauberhaft und liebenswürdig, dass es, in meinen Augen, auf keiner weihnachtlichen Watchlist fehlen sollte.

lichterkette-1819445_640So das war’s von mir. Aber was sind eure Favoriten zur Weihnachtszeit? Sollte ich mir nach 29 Jahren auf dieser Erde vielleicht doch mal Drei Haselnüsse für Aschenbrödel anschauen?
Ich freue mich auf weihnachtliche Film- und Buchtipps in den Kommentaren oder in einem eigenen Blogpost – falls ihr Lust habt.

7 replies

  1. Huhu!
    Eine sehr interessante Zusammenstellung. Die Weihanchtserzählung von Dickens gehört für mich auch alljährlich zum Ritual dazu, egal in welcher Form.
    Und ich denke, du solltest definitiv einmal Drei Haselnüsse für Aschenbrödel schauen, es ist so herrlich verkitscht. Generell sind Märchenfilme in der Vorweihnachtszeit ein Muss bei mir und je älter desto besser. Die hatten noch einen ganz anderen Charme. ❤︎

    Liebste Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

  2. Bei mir ist Drei Haselnüsse für Aschenbrödel jede Weihnacht Pflichtprogramm! Und ich finde es gar nicht mal sooo kitschig, sondern sogar ein bisschen emanzipiert ^^Was auch immer sein muss, ist die Weihnachtsfolge von Familie Heinz Becker und das Drama um die Chrischdbaamspitz ^^

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  3. Vielen Dank für die Inspirationen für vorweihnachtliche Geschichten! Ich habe dieses Jahr zu Nikolaus den Dickens als Buch bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe, weil ich ihn nun endlich auch einmal lesen kann. Der ist also ganz aktuell neu aufgenommen in meine Vorweihnachtsrituale.
    Ansonsten gehörten die Drei Haselnüsse für Aschenbrödel dazu, seit ich denken kann; das war das einzige Sonntagsmärchen, für das der Fernseher nach der Sendung mit der Maus immer an bleiben durfte. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob das auch Spaß macht, wenn man nicht damit groß geworden ist, und würde mich daher mit einer Empfehlung zurückhalten.
    Sehr herzerwärmend finde ich den Film „Der kleine Lord“, und auch wenn einem/mir bei dem ein oder anderen Satz ein Schauer der Schmalzigkeit über den Rücken läuft, gehört er deswegen für mich irgendwie dazu.
    Und schließlich, wenn man ihn mag, bietet Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“ für uns immer einen gemütlichen, glühweinreichen und ziemlich lustigen Abend.

    Eigentlich wollte ich gar nicht so viel kommentieren, so hätte ich ja beinahe wirklich einen eigenen Artikel schreiben können… Mal sehen, vielleicht im nächsten Jahr!

    Gefällt 1 Person

  4. ich bin ein bißchen spät dran, was? Egal, noch könnte man alles weihnachtliche gucken… 🙂 bei mir gehört „Liebe braucht keine Ferien“ jedes Jahr dazu, es ist ganz wunderbar verkitscht, soviel gelächelt wird sonst im Leben niemals, aber hier passt es. Und es gibt (Achtung Spoiler – obwohl, das ist ja wohl sowieso klar bei dem Titel) Happy Ends! Ansonsten ist der erste „Stirb langsam“ Film einer meiner Weihnachts-Lieblinge.

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