Adventskalender | 4. Dezember: Ho Ho Holmes

Compliments of the season, liebe Adventskalender-Freunde. Heute wird es, wie versprochen, ein bisschen besinnlicher als gestern bei den Gremlins. Aber nur ein bisschen, denn ganz ohne ein Verbrechen kommen wir auch hinter dem vierten Türchen auch nicht aus. Im Adventskalender steckt heute die einzige Weihnachtsgeschichte unter den 60 Sherlock Holmes Abenteuern. (Wir wussten alle, dass der Meisterdetektiv hier früher oder später auftauchen würde, nicht war? Sein letzter Auftritt in diesem Kalender wird es übrigens auch nicht gewesen sein – so viel sei schon einmal verraten.)

christmas-frame-3872321_1280

The Adventure of the Blue Carbuncle
Der Blaue Karfunkel

Sir Arthur Conan Doyle

christmas-frame-3872321_1280

Sherlock Holmes ist niemand, den man auf den ersten Blick mit dem Weihnachtsfest assoziieren würde. Vermutlich würde man ihn eher dem Typ Scrooge zuordnen (bevor er von den Geistern heimgesucht wurde, versteht sich). „Wat hat der denn mit Weihnachten zu tun?“, fragte zum Beispiel mein Arbeitskollege, als ich sagte, dass heute Holmes im Kalender stecken würde. Ja, Holmes‘ kühle, analytische Art und das Fest der Liebe passen, grob betrachtet, einfach nicht so recht zusammen.
Vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, dass Der blaue Karfunkel die einzige wirklich weihnachtliche Holmes-Geschichte ist. Aber was kümmert es, dass es nur die eine gibt, wenn die dafür so gut ist, dass man immer wieder gerne zu ihr zurückkehrt? The Adventure of the Blue Carbuncle ist nicht nur eine meiner liebsten Weihnachtsgeschichten, sondern auch gleichzeitig eines meiner liebsten Holmes-Abenteuer. Sie ist außerdem der Grund dafür, dass sich Sherlockianer weltweit zur Weihnachtszeit mit den Worten „Compliments of the season“ zuprosten. Denn am zweiten Weihnachtsfeiertag macht sich Dr. Watson in dieser Geschichte auf, um Sherlock Holmes Weihnachtsgrüße – oder eben, wie er es ausdrückt, „the compliments of the season“ – zu überbringen. Aber wie es der Zufall nun so will, wartet in der Baker Street ein Abenteuer auf den guten Doktor. Ein Abenteuer, das mit einem verlorenen Hut und einer Weihnachtsgans beginnt, deren Besitzer ausfindig gemacht werden sollen.
Beides hatte der Hotelportier Peterson zu Holmes gebracht. In den frühen Morgenstunden wurde er Zeuge eines Überfalls auf einen Mann. Als Peterson eingreift, türmen sowohl die Täter als auch das Opfer. Zurück bleiben nur die tote Gans und der Hut. Die Gans, so stellt sich später heraus, ist jedoch kein gewöhnlicher Vogel. Denn in ihrem Kropf steckt ein unglaublich wertvoller Edelstein, der blaue Karfunkel. Die Gräfin von Morcar hatte den kostbaren Stein erst einige Tage zuvor als gestohlen gemeldet.

IMG_20191203_172534_182.jpg

Wem gehört der Hut und noch viel wichtiger: Wer hat den gestohlenen Stein an die Gans verfüttert? Die Jagd nach Antworten führt Holmes und Watson quer durch das weihnachtliche London. Zwischen winterlichen Straßen, Weihnachtsbraten und dem prasselnden Kaminfeuer in der Baker Street kommt in dieser Geschichte ein wunderbar weihnachtliche Atmosphäre auf. Am Ende wird Holmes selbst sogar noch ein wenig vom weihnachtlichen Geist ergriffen. Nicht, dass er plötzlich Weihnachtslieder singend durch Londons Straßen rennt, aber er tut etwas, das zu dieser besinnlichen Zeit des Jahres passt. (Mehr wird hier nicht verraten, falls ihr die Geschichte noch nicht kennt.)

Ganz fehlerfrei ist The Adventure of the Blue Carbuncle freilich trotzdem nicht. Die Tatsache, dass Gänse überhaupt keinen Kropf haben und darin daher auch keine Edelsteine stecken können, gilt als einer der größten Schnitzer, die sich Arthur Conan Doyle bei den Sherlock Holmes-Geschichten geleistet hat (vielleicht nur getoppt durch die Milch schlürfende Schlange in The Speckled Band). Aber das fällt beim Lesen erstmal ohnehin nicht auf (wer hat schon ein so detailliertes Wissen über Geflügel?) und schmälert das Abenteuer nicht im Geringsten. Tatsächlich ist es ja genau dieses Element, das die Geschichte besonders charmant macht. Und wer will schon auf Kleinigkeiten herumreiten, wenn die Geschichte so wunderbar funktioniert – sowohl als Weihnachtsgeschichte, als auch als Sherlock Holmes Abenteuer?

Da The Adventure of the Blue Carbuncle eine der frühen Sherlock Holmes Storys ist, eignet sich die Geschichte besonders gut für Neueinsteiger. Sie bietet eine gute Gelegenheit, mit den Methoden des Detektivs vertraut zu werden. Also wieso nicht mal in der gemütlichen Weihnachtszeit einen Abstecher ins viktorianische London machen? Auch wer die Geschichte schon kennt, taucht sicherlich gerne wieder in dieses herrlich atmosphärische Weihnachtsabenteuer ab. Wiedersehen macht bekanntlich Freude – und bei dieser schönen Geschichte ganz besonders. In diesem Sinne: Ho Ho Holmes!

⇐Türchen 3     Türchen 5 ⇒

 

There are 2 comments

    1. Karo

      Hehe, ja Holmes durfte einfach nicht fehlen – zumal The Blue Carbuncle ja auch wirklich eine schöne Story ist. Das mit dem Adventskranz hast du scharf beobachtet! Ich hab ein bisschen alte Deko in ein Holmes-Adventsgesteck umgewandelt. War ein schönes, kleines Bastelprojekt 🙂

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.