[GELESEN] Matt Haig: How to Stop Time

IMG_20170701_181517_370Aufgeregt auf die Zustellung eines vorbestellten Buches warten – das hatte ich schon länger nicht mehr. Eigentlich kaum noch seit Harry Potter. Aber jetzt war sie wieder da, diese wunderbare Vorfreude. Matt Haigs neues Buch war auf dem Weg zu mir und ich starrte aus dem Fenster um den Postboten auch ja nicht zu verpassen. Nach einer gefühlten Ewigkeit trudelte der auch tatsächlich ein und ich hielt How to Stop Time plötzlich in den Händen…
Man sagt, Vorfreude sei die schönste Freude. Aber das stimmt nicht. Noch viel schöner ist es nämlich, wenn man feststellt, dass die Vorfreude absolut gerechtfertigt war.

How to Stop Time erzählt die faszinierende Geschichte von Tom Hazard, einem 439-jährigen Geschichtslehrer. Nein, das ist kein Tippfehler – er ist wirklich so alt. Eine „Krankheit“ sorgt dafür, dass er sehr viel langsamer altert als du und ich. Das mag auf den ersten Blick vielleicht erstrebenswert wirken, mündet für Tom aber in jahrhundertelanger Einsamkeit. Um keine Aufmerksamkeit auf seine besondere Natur zu lenken, muss er ständig seine Identität wechseln und kann nie lange an einem Ort verweilen. Tom führt ein rastloses Leben, ohne Beständigkeit und Sicherheit, zeitlebens dazu verdammt, alle, die er liebt, unweigerlich zu überleben.  Weiterlesen

[ALTE LIEBE] Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

Als ich Die Vermessung der Welt zum ersten Mal gelesen habe, war ich ungefähr 17. Damals war ich so begeistert von dem Büchlein, dass ich es nicht nur so oft gelesen habe, bis ich einige Textstellen auswendig aufsagen konnte, sondern es seitdem auch immer aufzähle, wenn mich jemand nach meinen Lieblingsbüchern fragt. Jetzt, mit 29 Jahren, habe ich mich allerdings gefragt, ob das wohl immer noch so richtig ist. Wie lange kann sich ein Buch ungelesen in der Lieblingsliste halten? In 12 Jahren ist schließlich einiges passiert – z.B. bin ich emotional und auch in anderen Aspekten kein Teenager mehr – und der Buchgeschmack hat sich hier und da doch ein wenig verändert. IMG_20170704_195747_095
Also zog ich das vom vielen Lesen abgeschrabbelte Buch nochmal aus dem Bücherregal. Ein bisschen aufgeregt war ich dabei ja schon. Was, wenn mir jetzt auffallen würde, dass mir das Buch, das ich so geliebt habe, plötzlich überhaupt nicht mehr gefällt?

Zum Glück blieb mir die existentielle Krise jedoch erspart. Denn es stimmt, was die Leute sagen: Alte Liebe rostet nicht.

Weiterlesen

[LESERÜCKBLICK] Was vom Mai noch übrig blieb

Vorbei der Mai! Das ist auch gut so – denn stressig war er, der angebliche Wonnemonat. Deshalb bin ich auch nicht allzu viel zum Lesen gekommen. Das schlägt sich zwar nicht unbedingt in der Anzahl der gelesenen Bücher (6) nieder, dafür aber in der Länge der Lektüre. Keines der Bücher hatte viel mehr als 300 Seiten auf dem Buckel.

IMG_20170601_204026_862Aber wie wir alle wissen, können Bücher auch überzeugen, ohne dass man sich einen Bruch hebt, wenn man sie aus dem Regal zieht. Wie sagt man so schön? In der Kürze liegt die Würze.

Mein Highlight in diesem Monat war definitiv Chris Palings Reading Allowed und das Schlusslicht eindeutig Jay Ashers Thirteen Reasons Why. Über beide habe ich mich allerdings schon in separaten Artikeln ausgelassen: hier (Paling) und hier (Asher). Da zwischen überschwänglicher Begeisterung und nur schwer unterdrückbarem Augenrollen aber noch eine Menge Platz ist, hier noch ein paar Worte zu den wunderbaren Büchern aus dem Dazwischen:

Weiterlesen

[GELESEN] Chris Paling: Reading Allowed

Als ich Chris Palings Reading Allowed: True Stories and Curious Incidents from a Provincial Library beim Schmökern im Buchladen entdeckte, wusste ich gleich, dass das etwas mit uns werden könnte. Ich hatte gerade eine stressige Woche hinter mir und kurze Geschichten schienen genau das Richtige für mich zu sein. Ein Probelesen hatte mir direkt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, also landete das Buch kurzerhand in der Einkaufstasche. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass diese Sammlung von Geschichten weit mehr als kurzweilige Unterhaltung sein würde. Je weiter ich las, desto mehr hatte ich das Gefühl, einen kleinen, unentdeckten Schatz in den Händen zu halten.

IMG_20170528_212110_091Seit Chris Paling seine Tätigkeit als Produzent bei BBC Radio 4 an den Nagel gehängt hat, arbeitet er neben der Autorentätigkeit in einer Bibliothek im Süden Englands. In seinem Buch Reading Allowed: True Stories and Curious Incidents from a Provincial Library gewährt er uns nun einen Einblick in den Alltag eines Bibliothekars. Wer jetzt das Klischee des griesgrämigen Büchereivorstehers vor Augen hat, der die Besucher alle 10 Minuten mit einem aggressiven „Schhhh!“ zur Ruhe bittet, wird vermutlich etwas überrascht sein. Denn der moderne Bibliothekar muss sich anderen Herausforderungen stellen als unruhigen Lesern und verspäteten Rückgaben. Chris Paling erzählt uns hier von Verstopfungen im Herrenklo, von der Kunst, Bücher zu ordnen, von Budget-Einschnitten und vor allem von den wunderbar vielfältigen Besuchern der Bibliothek.  Weiterlesen

[GELESEN] Jay Asher: Thirteen Reasons Why

IMG_20170520_133954_329Es gibt Geschichten, die man eigentlich nur liest, weil man wissen will, was es mit dem Hype auf sich hat. Aus genau diesem Grund ist auch Thirteen Reasons Why von Jay Asher in meinem Einkaufswagen gelandet.
Die Netflix Serie ist ja seit ein paar Wochen in aller Munde und hat bereits einiges an Diskussion hervorgerufen. Da musste ich natürlich herausfinden, warum eigentlich alle darüber sprechen. Allerdings wollte ich erst einmal den zugrunde liegenden Roman lesen. Das gehört sich so als Bücherwurm. Außerdem mag ich eine gute Young Adult Story manchmal sehr gerne – und dieses Buch hat auf Goodroods und Amazon gute Bewertungen bekommen. Warum, ist mir im Nachhinein allerdings irgendwie schleierhaft.  Weiterlesen

[GESPIELT] Holmes – Sherlock gegen Moriarty

Schon wieder ein Artikel über Sherlock Holmes?

Tja, was soll ich machen? Ich hatte unlängst Geburtstag und habe vom Lieblingskollegen ein Holmes-Spiel geschenkt bekommen. Ich kann ja nichts dafür, dass meine Freunde meine Interessen kennen, oder?
Außerdem hatte ich so viel Spaß beim Spielen, dass ich es irgendwie unangebracht fände, das Spiel hier nicht zu erwähnen. Freude muss man teilen. Das weiß doch jeder.

IMG_20170513_173853_520 Also, worum geht es bei Holmes? Nun, nach einem Blick auf den Titel muss man kein Sherlock Holmes sein, um das zu erraten: Es geht natürlich um Holmes und Moriarty. „Elementary, my dear Watson!“ würde der Detektiv jetzt vielleicht sagen. (Aber auch nur vielleicht.)*
Die Spielbeschreibung auf der Schachtel wird allerdings dann doch noch etwas konkreter: Auf das britische Parlament wurde ein Anschlag verübt! Die Beweise sind rar und Scotland Yard tappt im Dunkeln. Da kann nur einer helfen: Sherlock Holmes! Doch im Hintergrund zieht auch Professor Moriarty seine Fäden und versucht eifrig, Spuren zu verwischen. Und so entbrennt ein Duell zwischen den beiden brillantesten Köpfen Londons. Nur wer die meisten Hinweise findet, wird erfolgreich sein. Löst Holmes den Fall oder kommt Moriarty ein weiteres Mal ungeschoren davon?  Weiterlesen

[GELESEN] Daniel Keyes: Flowers for Algernon

IMG_20170502_220852_709Es gibt unzählige Bücher, die sich so dahinlesen und für den Moment zwar unterhaltsam sind, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das ist in Ordnung – wir alle brauchen hier und da etwas Unterhaltung. Aber im Grunde sind wir doch als Vielleser, Leseratten, Geschichtenliebhaber, Bücherwürmer oder -drachen auf der Suche nach Geschichten, die uns nicht mehr loslassen und noch lange nach dem Lesen beschäftigen, die uns mitreißen, unser Weltbild in Frage stellen, uns berühren und von denen wir sagen: ‚Das ist das Buch, nach dem ich schon immer gesucht habe!‘
Begegnungen dieser Art sind selten, aber es gibt sie. Ich hatte neulich eine: Flowers for Algernon von Daniel Keyes.  Weiterlesen

[Gelesen und gehört] Viermal Holmes

IMG_20170426_191204_379Es ist vermutlich schon aufgefallen, dass ich eine kleine Leidenschaft für einen gewissen englischen Detektiv namens Sherlock Holmes hege. Ich habe ihn hier sicherlich schonmal erwähnt, so am Rande – höchstens ein-, zweihundert Mal.
Zwar versuche ich, meinen Lesekonsum in diesem Bereich im Zaum zu halten, aber im letzten Monat scheint mir das eher mäßig gelungen zu sein. Aber was soll man machen? Es gibt eben  Zeiten, in denen man von einem Thema so gepackt ist, dass man alles darüber erfahren möchte. Alles! Weil wir in diesem Jahr ohnehin 130 Jahre Sherlock Holmes feiern, geht das vom Timing her sogar in Ordnung.
Damit aber nicht jeder Artikel hier Sherlock Holmes thematisiert, habe ich diesmal ein wenig gesammelt, bevor ich meine Eindrücke zu den verschiedenen Büchern zu (digitalem) Papier gebracht habe. Da man Holmes offenbar in allen Gattungen der Literatur begegnen kann, haben wir diesmal einen schönen, bunten Format-Mix im Angebot: Hörbuch, Pastiche-Roman, Sachbuch und Comic.

Weiterlesen

Das Trauma von Watership Down

Ein Trickfilm mit süßen Häschen? ‚Damit kann man wohl nichts falsch machen‘, dachte eine Lehrerin im beschaulichen Brandenburg und präsentierte ihrer Grundschulklasse den Film „Watership Down – Unten am Fluss“.
Was die Schüler zu sehen bekamen, war allerdings keine fröhliche Geschichte über lustig hüpfende Hasen sondern ein düsteres Abenteuer mit zerfetzten Hasenohren, scharfen Krallen, allerhand Blut und dem „schwarzen Kaninchen des Todes“.
Im Publikum auch ich, fortan traumatisiert durch den blutrünstigen Hasengeneral Woundwort. (Falls ihr nicht wisst wie der aussieht, googelt mal… Nicht gerade ein Kandidat für die Rolle des Osterhasen.)
Seither frage ich mich, wie man eigentlich auf die Idee kommen kann, dass es sich bei dieser Geschichte um einen Kinderfilm handelt. Denn mir wurde von mehreren meiner Mitmenschen bestätigt, dass auch sie sich damals bei diesem Film ziemlich gegruselt hätten. Der eine oder andere so sehr, dass die Eltern das verängstigte Kind weinend hinter der Couch versteckt vorfanden. Wahrscheinlich hat dieser Film eine ganze Generation verstört…

Watership Down

Aber jetzt, so kurz vor Ostern, und ca. 20 Jahre später, war es vielleicht doch mal an der Zeit, mich meinen Kindheitsängsten stellen. Deshalb wollte ich zunächst einmal das Buch zu lesen, auf dem dieser Film beruht: Watership Down von Richard Adams. Bücher sind schließlich Freunde.

Weiterlesen

[Gelesen] Jem Lester: Shtum

Nein, nein, ich habe mich nicht verschrieben. Das Wort ’shtum‘ gibt es wirklich. Es stammt aus dem Jiddischen, bedeutet, wie man vielleicht schon herleiten kann, so viel wie „stumm“, „still“ oder „sprachlos“ und beschreibt die Familie Jewell im Grunde perfekt: Der 10-jährige Jonah ist Autist und hat seit 8 Jahren kein Wort mehr gesprochen – er lebt buchstäblich in seiner eigenen Welt. Doch Jonah ist nicht der einzige in dieser Familie, der seine Gefühle nicht verbal artikulieren kann. Seine Eltern, Ben und Emma, beispielsweise sprechen nie über die Probleme ihrer Beziehung. Als diese schließlich zerbricht, zieht Ben mit Jonah notgedrungen zu seinem Vater Georg – zu dem er allerdings nie ein besonders gutes Verhältnis hatte. Drei Männer unter einem Dach, von denen einer nicht sprechen kann und zwei es nicht wollen – das klingt nicht besonders harmonisch. Ist es natürlich auch nicht.

IMG_20170323_225021_014

Im Klappentext heißt es:
Ten-year-old Jonah lives in a world of his own.
He likes colours and feathers and the feel of fresh air on his skin.
He dislikes sudden loud noises and any change to his daily routine.
Jonah has never spoken, yet somehow he communicates better than all of the adults in his life.‘
Obwohl das durchaus nach einer Geschichte klingt, die mir potentiell gefallen könnte, war es letztendlich eine Kurzrezension auf der ersten Seite, die mich zum Kauf bewogen hat. Dort stand, Shtum wäre „a darker, sadder version of ‚The Curious Incident of the Dog in the Night-Time‘, but just as moving.“
Nun, The Curious Incident of the Dog in the Night-Time von Mark Haddon (Deutscher Titel: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone) ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Verständlich also, dass mich ein Vergleich wie dieser aufhorchen lässt. Weiterlesen