Das Gute daran ist das Böse darin: Das Buch der Schurken

Ach, was wären unsere Helden – die Sherlocks, Harrys und Frodos – doch bloß ohne ihre Widersacher?
Richtig, irgendwie langweilig. Denn wie Jim Moriarty beim Tee mit Sherlock so treffend bemerkte: „Every fairytale needs a good old fashioned villain.“
In seinem „Buch der Schurken“ wirft der österreichische Autor Martin Thomas Pesl daher einen Blick auf die 100 größten Bösewichte der Literaturgeschichte. Von Captain Hook über Graf Dracula bis hin zu Dr. No – alle sind sie dabei.
Na gut, alle bis auf Voldemort. Den Dunklen Lord lässt der Autor nämlich außer Acht. Aber wenn man sich auf 100 Bösewichte beschränkt, muss man eben hier und da Abstriche machen. Ohnehin wäre es in Anbetracht der schieren Anzahl der literarischen Widersacher unmöglich, jeden Bösewicht vorzustellen. Von daher macht das Buch gar nicht erst den Versuch, Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Und wenn wir mal ehrlich sind, haben wir Prof. Umbridge ohnehin viel mehr gehasst als Voldemort, oder? Und diese pinke Kröte tritt in dieser Übersicht des Schurkentums glücklicherweise – und völlig zu Recht – in Erscheinung. Harry Potter Fans kommen also nicht zu kurz, keine Sorge. In diesem Zusammenhang stellt der Autor aber gleich zu Beginn heraus: Die Auswahl seiner Schurken ist subjektiv. Irgendwie logisch, denn wie sollte man Schurkentum auch objektiv bewerten? Anhand der Opferzahl?

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Seine Schurken teilt Martin Thomas Pesl, der Übersichtlichkeit halber, in verschiedene Kategorien ein. Es gibt zum Beispiel die „Gierigen“, die „Rachsüchtigen“, die „Egoschweine“ und noch viele, viele mehr. Hier muss ich sagen, dass ich einige der vorgestellten Bösewichte durchaus in mehrere oder andere Kategorien eingeordnet hätte. Aber auch diese Zuordnung ist eben, wie schon die Auswahl der Schurken, subjektiv.

Nachdem der Schurke nun also mehr oder minder artgerecht kategorisiert wurde, bekommt er in diesem Buch zwei Seiten als Bühne zur Verfügung gestellt. Eine mit einer Illustration von Kristof Kepler und einem Zitat aus dem jeweiligen Werk und eine mit einem erläuternden Text und einer Bewertung auf der Schurkenskala. Allerdings variieren die bewerteten Attribute der Skala dabei von Bösewicht zu Bösewicht. So wird bei einem beispielsweise der „Behaarungsfaktor“ und bei einem anderen der „Intrigantenfaktor“ bewertet. Von daher ist die Schurkenskala eher als kleiner Gag zu betrachten, der den Text noch einmal zusammenfasst.

Auch die Texte selbst sind weit entfernt von trockener Sachbuch Analyse, sondern eher locker geschrieben und warten vor allem mit einer gehörigen Portion Humor auf. Man stelle sich vor, der Autor sitze neben einem in einer Bar und erzählt von seinen Lieblingsschurken – was für mich persönlich ein sehr angenehmes Leseerlebnis darstellt.
Neben all der Leichtigkeit kann der Leser hier aber obendrein noch einiges lernen. Nicht nur über die Schurken selbst, sondern zum Beispiel auch, dass es einige Parallelen zwischen den Fieslingen unterschiedlichster Autoren gibt. Beispielsweise fehlen überraschend vielen Bösewichten Gliedmaßen. Ob das als Rechtfertigung für Mord- und Rachegelüste ausreicht, bleibt zu klären…
Die schönen, ambivalenten Gefühle, die der Leser oftmals für den Schurken empfindet, stehen bei den Beschreibungen häufig im Fokus. Bei einigen Bösewichten lieben wir es einfach, sie zu hassen, während wir andere lieben, obwohl sie fies und/ oder irgendwie gestört sind. Und manchmal ist auch überhaupt nicht so recht klar, wem die Sympathien des Lesers eigentlich gelten sollen. Captain Ahab oder Moby Dick? Alles eine Frage der Betrachtung.

Seine eigene Begeisterung für die „böse“ Seite der Literatur merkt man Martin Thomas Pesl dabei in jedem Fall an. Sein „Buch der Schurken“ bietet viele Informationen, kompakt zusammengefasst und mit einer ordentlichen Prise Humor versehen. Das Buch fällt für mich eindeutig in die wunderbare Kategorie „Lernen und lachen“ – zweifelsohne die beste aller Lernkategorien.
Das Schönste ist allerdings, dass „Das Buch der Schurken“ neugierig macht. Bei 100 Bösewichten ist die Wahrscheinlichkeit doch recht groß, unter den Gesichtern der versammelten Schurkenschaft ein unbekanntes zu erspähen. Und obwohl die Beschreibungen in diesem Buch nicht gerade spoilerfrei sind, haben sie Lust darauf gemacht, die Geschichten rund um die vorgestellten Schurken zu erkunden. Meine Leseliste hat sich in jedem Fall erheblich vergrößert. Danke dafür!

(Und vielen Dank an den btb Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.)


Infos zum Buch

Titel: Das Buch der Schurken – Die 100 genialsten Bösewichte der Weltliteratur
Autor: Martin Thomas Pesl
Verlag: btb Verlag
Erscheinungstermin: 09.01.2018 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-442-71603-6

23 replies

  1. Hi! Und wieder ein Buch für den Stapel. Höhrt sich wirklich gut an und ich bin neugierig geworden, wer alls vorkommt. Tatsächlich habe ich diese grausame Falschheit von D. Umbridge auch als viel schlimmer empfunden, als Voldemort. Na ja, bis zum letzten Band….
    Bin mal gespannt. Liebe Grüße
    Nina

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  2. Das klingt definitiv nach einem unterhaltsamen Buch! 🙂
    Wie du schon sagtest, was wären unsere Helden ohne ihre Gegenspieler? Da lohnt es sich wirklich, auch diese einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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  3. Das Buch macht grad die Runde unter den Lesenden 😀
    Ich überlege noch, es zu holen. Mag dann wohl doch lieber die „echten“ Verbrecher Bücher – wo ihre Taten und Verbrechen gelistet sind *hüst*
    Wobei mich der humorvolle Aspekt schon reizt 😛

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    • 😀 Ja gut, jedes einzelne Verbrechen wird hier natürlich nicht aufgelistet, aber einen groben Überblick kann man sich dem Buch schon ganz gut verschaffen. Ich mag es immer ganz gerne, wenn eine (große) Prise Humor dabei ist. Gerade wenn es um ein dunkleres Thema geht – ich bin eher zart besaitet 😀

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  4. Hallo Karo,
    ein sehr interessantes Buch, das du da vorstellst. Bei dir bekommt man definitiv etwas außergewöhnliches zu Gesicht. Ich bleibe dir als Leserin erhalten!
    Der Bösewicht, der ein Bandwurm ist… das interessiert mich wirklich. Du machst mich definitiv neugierig!
    LG, Daniela

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    • Vielen Dank für die lieben Worte, Daniela – und auch vielen Dank fürs Mitlesen 🙂
      Der Bandwurm-Schurke stammt übrigens aus dem Roman „Drecksau“ von Irvine Welsh – mal schauen ob ich mir den mal zu Gemüte führe.

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  5. Hey,

    das Buch hört sich wirklich echt gut an. Alleine das Cover ist ja schon mega. Danke dir fürs Zeigen! 🙂

    Hab einen tollen Abend.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi von angeltearz liest

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  6. Ui, damit hast du mich jetzt aber völlig unvorbereitet auf dem falschen Fuß erwischt und ich kann den Beitrag gar nicht so schnell wegklicken, wie dieser Buchtipp gerade auf meine Wunschliste fliegt xD
    Meeeeh,da steht doch schon so viel…*lach*

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