Gelesen im Dezember: Lehrer, Detektive und Mörder

gelesen-im-dezember

Ich hatte mir den Dezember in etwa so vorgestellt: Plätzchen backen, hier und da einen Weihnachtsfilm schauen, die Wohnung dekorieren und dann vollgefuttert mit einem Buch in der Hand vor dem Weihnachtsbaum rumliegen, während im Hintergrund meine Weihnachtsplaylist in Endlosschleife dudelt.
Die Realität sah natürlich ganz anders aus. Eine saftige Erkältung und vorweihnachtlicher Stress sorgten dafür, dass ich meine Pläne nicht mal ansatzweise in die Tat umsetzen konnte – nicht einmal die Weihnachtsgeschichte mit den Muppets habe ich gesehen. Skandal! Zum Lesen bin ich demnach auch nicht so oft gekommen, zumindest nicht so oft wie ich es gerne gewollt hätte. Aber es kommt ja bei Büchern schließlich nicht auf die Quantität sondern auf die Qualität an – und in dieser Hinsicht kann ich mit der Dezember-Lektüre im Großen und Ganzen durchaus zufrieden sein.

Rob Buyea – Because of Mr. Terupt (Bisher nicht auf Deutsch erschienen)

Mr.Terupt ist der Lehrer, den man sich selbst früher gewünscht hätte. Kein alter Tattergreis, der den Stoff runterleiert bis selbst in der ersten Sitzreihe garantiert alle eingeschlafen sind, sondern ein junger, motivierter Mentor, der seine Schüler mit ungewöhnlichen Projekten und Methoden begeistert. Die Art Lehrer, die für dich einsteht, dich auf den rechten Weg zurückweist, und die Selbstvertrauen vermittelt wo es nötig ist. Wir lernen diesen wunderbaren Vertreter seines Berufsstandes durch die Augen seiner Schüler kennen, die abwechselnd die Rolle des Erzählers übernehmen. Das Leben dieser Kinder wird sich durch ihren neuen Lehrer in vielerlei Hinsicht verändern, insbesondere als Mr. Terupt einem Unfall zum Opfer fällt und die Frage nach der Schuld die jungen Schüler aufrüttelt und zusammenschweißt.
Eine durchaus emotionale und inspirierende Geschichte, bei der ich streckenweise all meine Willenskraft sammeln musste, um beim Lesen nicht in der U-Bahn loszuheulen. Einziges Manko: Zum Ende hin artet die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu sehr ins Kitschige aus. Aber dennoch durchaus lesenswert!

Laurie R. King, Leslie S. Klinger (Ed.) – Echoes of Sherlock Holmes (Bisher nicht auf Deutsch erschienen)

Seit der Veröffentlichung der ersten Sherlock Holmes Geschichte sind bereits über 100 Jahre vergangen, und doch ist der berühmte Detektiv so präsent wie eh und je. Doyles große Schöpfung hallt nach, ähnlich wie ein Echo, und wird immer wieder neu aufgegriffen und interpretiert.
Echoes of Sherlock Holmes ist deshalb keine Sammlung von klassischen Sherlock Holmes Geschichten oder Pastiches, sondern viel mehr eine Zusammenstellung von Geschichten, die von Sherlock Holmes inspiriert wurden.
In einigen davon verlassen Watson und Holmes das viktorianische Zeitalter, in anderen kommen sie gar nicht erst vor, sondern Protagonisten, die Holmes Methoden anwenden und in wieder anderen erwachen fiktive Figuren plötzlich zum Leben und suchen den Diskurs mit ihrem Schöpfer.
So unterschiedlich wie die Ideen war meiner Meinung nach auch die Qualität der Erzählungen. Das Spektrum reichte da von Geschichten, die ich einfach ein bisschen öde fand, über Stories, bei denen ich ein genervtes Augenrollen kaum unterdrücken konnte bis hin zu Abenteuern, die mich sofort mitgerissen haben. Dazu gehören unter anderem John Conollys Holmes on the Range, in der sich fiktive Charaktere ihrer Fiktionalität bewusst werden, David Morrells The Spiritualist, in der Sherlock Holmes versucht, Arthur Conan Doyle davon zu überzeugen, dass es weder Geister noch Feen gibt (Doyle hat daran bekanntermaßen geglaubt) und Anne Perrys RAFFA, in der ein Schauspieler, der Sherlock Holmes spielt, plötzlich einen Kriminalfall lösen muss.
Alles in allem würde ich sagen, Echoes of Sherlock Holmes ist eine solide Sammlung – mit Höhen und Tiefen – die sich für Sherlockianer durchaus lohnt.

Agatha Christie – And then there were none (Und dann gab’s keine mehr)

Zehn Menschen auf einer einsamen Insel, ein gruseliger Kinderreim, unter der Oberfläche brodelnde Geheimnisse und ein unerklärlicher Todesfall nach dem anderen. Am Ende werden alle 10 Personen auf dieser Insel tot sein. Aber wer von ihnen war der Mörder?
Eine Frage die ich selbst nicht hätte beantworten können. Zu oft bin ich auf die falschen Fährten hereingefallen, die Agatha Christie ganz geschickt verstreut hat. Bis zum Schluss hatte ich jemand anderen im Verdacht, bis mich der Epilog und das Geständnis des Mörders schließlich eines Besseren belehrten.
Warum ich bisher noch kein einziges Agatha Christie Buch gelesen hatte, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Vielleicht liegt es an dem etwas eingestaubten Ruf. Denn als ich einem Kollegen erzählte, dass ich begonnen hatte Christie zu lesen, sagte er, seine Oma würde das auch gerne lesen, ob er mir vielleicht schon mal ein paar Groschenromane besorgen solle – die würde seine Oma nämlich auch mögen. Das ist natürlich alles Humbug. Die Oma meines Kollegen liest vermutlich Agatha Christie, weil die Geschichten einfach gut sind, und schon immer gut waren. And then there were none hat mich in jeden Fall sofort davon überzeugt, dass Agatha Christie vollkommen zurecht zu den berühmtesten Krimi Autoren der Welt gehört. Murder on The Orient Express steht schon in meinem Bücherregal bereit und wartet nur darauf, gelesen zu werden.

4 Gedanken zu “Gelesen im Dezember: Lehrer, Detektive und Mörder

  1. ich hab‘ mich christie über hörbücher genähert… auch eine spannende sache 🙂

    mr. terupt steht jetzt auf meiner liste – mal sehen, wann ich dazu komme… über goodreads hast du mir ja schon einige nette inspirationen beschert 😀

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s