Sherlock Staffel 4: Spekulieren mit Sir Arthur Conan Doyle

Die Weihnachtsgans ist noch nicht mal richtig verdaut, da steht auch schon die nächste Festivität ins Haus: Der Start der neuen Sherlock Staffel am 01.01.2017.
Und es wird ja auch langsam Zeit, denn gewartet haben wir wirklich genug. So langsam wollen wir es dann jetzt doch mal wissen: Ist Moriarty tot? Bekommen Mary und John wirklich ein Baby? Gibt es einen dritten Holmes Bruder? Und warum sieht im Trailer alles so düster aus?

Fragen über Fragen und keine Antworten. Nur warten, warten, warten.
Mit dieser gefühlt endlosen Wartezeit geht jeder Sherlockianer bekanntlich anders um. Ich persönlich habe die letzten drei Jahre damit verbracht, mich in puncto Holmes weiterzubilden und die Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle zu lesen, oder besser gesagt, zu verschlingen. Eindeutig eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Mittlerweile bin ich deshalb nicht mal mehr sicher, wen ich eigentlich lieber mag: den klassischen Holmes oder die moderne Cumberbatch Interpretation. Ganz sicher weiß ich aber: Wer die alten Geschichten liest, hat eine gute Basis für aktuelle Spekulationen. Was verraten uns Doyles Geschichten also über die neue Staffel?

Die Episoden

The Six Thatchers
Ich vermute stark, dass es sich hierbei um eine Adaption der Geschichte The Adventure of the Six Napoleons handelt. Hier ist Holmes einem Verbrecher auf der Spur, der scheinbar grundlos Napoleon Büsten zerstört. Inspector Lestrade vermutet, dass es sich hierbei um einen verrückten Napoleon-Hasser handelt. Eine Theorie, die Holmes für ausgesprochen unwahrscheinlich hält. Er kommt stattdessen zu dem Schluss, dass irgendetwas in den Büsten versteckt sein muss und sie deshalb zerschmettert werden. Damit liegt er goldrichtig. Der Verbrecher, Beppo, hatte einst im Dienst eines Büstenherstellers gestanden und während seiner Arbeit eine gestohlene und ausgesprochen wertvolle Perle in einer der Büsten versteckt. Da aber alle Büsten identisch sind, weiß er nicht mehr, in welcher er die Perle deponiert hat und muss sie demnach zerstören um den Edelstein zu finden.

Ich würde nicht sagen, dass dies eine der besten Holmes-Geschichten ist. Schon allein, weil ich den Fall als Leser relativ schnell selbst lösen konnte. Das spricht zwar für meine Detektivfähigkeiten, nicht aber unbedingt für einen cleveren Plot – aber ich bin gespannt, was Moffat und Gatiss aus der Geschichte machen. Ich bezweifle allerdings, dass sich Sherlock auf die Suche nach einer Perle macht. Ich könnte mir eher vorstellen, dass es um eine versteckte Botschaft, ein geheimes Passwort oder einen Code geht.

The Lying Detective
Welche Geschichte die Vorlage für diese Folge liefert, scheint relativ simpel: The Adventure of the Dying Detective. Nicht nur, weil der Name es vermuten lässt sondern auch weil schon im Vorfeld bekanntgegeben wurde, dass Toby Jones als Culverton Smith gecastet wurde – der Bösewicht in dieser Geschichte.
Wie man vom Namen The Dying Detective ableiten kann, scheint es in dieser Story schlecht um den Meister-Detektiv bestellt. Mrs. Hudson wendet sich verzweifelt an Dr. Watson, da Holmes einer mysteriösen Krankheit zum Opfer gefallen zu sein scheint. Watson eilt sofort zu seinem Freund um sich selbst ein Bild von der Sache zu machen und findet den Detektiv in einem bedauernswerten Zustand. Das Ende scheint nahe. Auf Holmes Bitte hin, wendet sich Watson an Culverton Smith, einen Farmer, der gleichzeitig ein Experte auf dem Gebiet der subtropischen Krankheiten ist. Smith lässt sich schließlich dazu überreden, den sterbenden Detektiv zu besuchen.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen:  Es war Smith selbst, der Holmes mit der Krankheit infiziert hat, indem er ihm eine kleine Box zusendete, die die Erreger der Krankheit enthielt.
In Anbetracht des fatalen Zustand des Detektivs gesteht Smith nun seine Tat und ein weiteres Verbrechen, in der Gewissheit, dass Holmes ohnehin innerhalb der nächsten Stunden das Zeitliche segnen wird. Da hat er sich allerdings getäuscht. Denn tatsächlich hat Holmes seine Krankheit nur vorgetäuscht um dem Bösewicht eben dieses Geständnis zu entlocken. Den Angriff mit biologischen Waffen auf seine Person hatte Holmes natürlich bereits im Vorfeld erkannt und abgewährt – von einem Meisterdetektiv haben wir auch nichts anderes erwartet. Und so wird der sterbende zum lügenden Detektiv.

In Anbetracht dieser Vorlage müssen wir uns also vermutlich darauf gefasst machen, gehörig an der Nase herum geführt zu werden. Sollte Sherlock auch in der Serie eine Krankheit vortäuschen, würde das zumindest schon einmal seinen bärtigen Look und die Krankenschwestern aus dem Trailer erklären.

The Final Problem
Die wohl berühmteste aller Holmes Geschichten: Der große Showdown zwischen Professor Moriarty und Sherlock Holmes an dessen Ende beide (vermeintlich) in die Tiefen des Reichenbach-Wasserfalls stürzen.
Heute wissen wir natürlich, dass Doyle es sich einige Jahre später anders überlegte, und den berühmten Detektiv mit einer einigermaßen löchrigen Erklärung wieder auferstehen ließ.
Dieser Plot wurde auch in der Serie bereits umgesetzt: Moriarty schießt sich in der Folge The Reichenbach Fall in den Kopf und Sherlock springt vom Dach des St. Barth Hospital, um so den eigenen Tod vorzutäuschen – ohne hinterher zufriedenstellend zu erläutern, wie genau er das angestellt hat. So weit, so dramatisch.
Dass die dritte Episode der neuen Staffel nun aber The Final Problem heißt, erscheint mir deshalb auf den ersten Blick etwas merkwürdig. Auf den zweiten Blick regt das allerdings zu folgender Mutmaßung an: Wir wissen, dass Holmes in The Final Problem nicht stirbt. Im Gegensatz zu Professor Moriarty, der nach dem Sturz in den Wasserfall nie wieder auftauchen wird. Wenn aber The Reichenbach Fall noch gar nicht The Final Problem war, lebt Moriarty jetzt noch und wird vermutlich erst in dieser Folge sein Ende finden. Die Frage ist nur: Wie hat er den Kopfschuss aus Staffel 2 überlebt?

Moriarty

Tja. Lebt er, oder lebt er nicht? Das ist die große Frage. Nach der Neujahrsepisode vom letzten Jahr, The Abominable Bride, können wir mit Sicherheit sagen, dass wir das nicht mit Sicherheit sagen können. Sherlock selbst drückt sich da auch einigermaßen nebulös aus: “Of course he’s dead, he blew his own brains out, no-one survives that. I just went to the trouble of an overdose to prove it. Moriarty is dead, no question. But more importantly, I know exactly what he’s going to do next.”
Ja…ehm, danke, Sherlock, für diese Erklärung.
Ich persönlich bin immer noch ein Anhänger der Zwillingstheorie. Ja ich weiß, Sherlock hat gesagt: „It’s never twins.“ Aber Sherlock merkt halt auch nicht alles, bzw. er will nicht alles merken. Denn wie hat Moriarty so schön gesagt? „That’s your weakness, you always want everything to be clever.“
Ich könnte jetzt noch etwas eingehender erläutern, warum ich denke, dass Moriarty einen Zwilling hat, aber ich möchte mich auf den Hinweis aus den Doyle Geschichten beschränken. Professor James Moriarty hat darin einen Bruder: Colonel James Moriarty. Ja ganz recht, die heißen beide James. Wenn ich nun eine Sherlock Holmes Serie produzieren würde, würde ich mir natürlich überlegen, wie ich diesen lustigen Zufall in meine Geschichte integrieren könnte. Ergo gibt es zwei James Moriartys und einer hat sich auf dem Dach in den Kopf geschossen, und einer lebt noch. (Das deckt sich übrigens auch mit Sherlocks kryptischer Aussage.)

Sherrinford

Auf der San Diego Comic Con wurde bereits im Sommer für jede Folge der vierten Staffel ein Hinweis enthüllt: Thatcher, Smith und Sherrinford. Mit zweien davon können wir bereits etwas anfangen: Thatcher und Smith. Bleibt noch Sherrinford. Aber wer oder was ist das nun wieder?
Nun, bevor sich Arthur Conan Doyle für den Namen Sherlock Holmes entschied, hatte er unter anderem  mit dem Gedanken gespielt, seinen Detektiv Sherrinford Holmes zu nennen. Aus Sicht von Doyle gibt es allerdings darüber hinaus nicht mehr viel über Sherrinford zu berichten – der Name wird nie im Kanon erwähnt. Oder um es anders auszudrücken: Sherlock: yay, Sherrinford: nay.
Sherrinford taucht allerdings in einigen Pastiches auf. Als erstes wurde er von William S. Baring-Goulds in der Biografie Sherlock Holmes of Baker Street erwähnt. Dort wird Sherrinford als ältester der Holmes Brüder aufgeführt. In anderen Interpretationen wie The Young Sherlock Holmes von Andrew Lane tritt Sherrinford Holmes dagegen als Onkel von Sherlock und Mycroft in Erscheinung.
Für die Serie ist es aber wahrscheinlicher, dass Sherrinford tatsächlich ein Bruder ist. Denn Mycroft erwähnt den dritten Holmes Bruder bereits in His Last Vow mit den Worten „Don’t be absurd, I am not given to outbursts of brotherly compassion. You know what happened to the other one.“
Was können wir daraus schließen? Zum einen, dass es mit Gewissheit einen weiteren Holmes Bruder gibt und zum anderen, dass das Verhältnis zu Mycroft einigermaßen angespannt sein dürfte. Hat sich Sherrinford deshalb vielleicht gegen seine beiden Brüder verschworen und sich mit Moriarty zusammengetan?

Mary und das Watson-Baby

Diverse Promo-Bilder und Marys Schwangerschaft am Ende der letzten Staffel lassen keinen Zweifel daran, dass es in der neuen Staffel tatsächlich ein Watson Baby geben wird. Ein großer Unterschied zum Doyle Kanon, denn dort ist nie die Rede von einem Kind aus dem Hause Watson.
Watsons Frau Mary hingegen wird in den Geschichten sehr wohl erwähnt, wenn ihr auch keine so große Rolle zuteil wird wie in der Serie. Sie stirbt allerdings in den Geschichten irgendwann, wenngleich Doyle sich nicht mit detaillierten Ausführungen dazu aufhält. Ich bin mir deshalb relativ sicher, dass Staffel 4 die letzte sein wird, in der wir Mary zu sehen bekommen. Irgendetwas schreckliches wird passieren – etwas, das die düstere Stimmung in Promo-Bildern und Teasern rechtfertigt.
Im Trailer sieht man einen Autounfall – könnte dies das tragische Ende von Mary Watson bedeuten? Und ereilt das Baby vielleicht das gleiche Schicksal? (Ich vermute es.)

I love you

Die Veröffentlichung des zweiten Trailers vor einigen Tagen hat unter Sherlockianern gleichermaßen für Freude und Verwirrung gesorgt. Dafür verantwortlich sind drei Worte aus dem Munde unseres Lieblingssoziopathen: „I love you.“
Man hört die Johnlockanhänger, -enthusiasten und -fanatiker frohlocken: Endlich gesteht Sherlock seine Liebe zu John! Ha!
Ich will jetzt zwar niemandem in die Parade fahren, aber ich möchte zu bedenken geben, dass John nicht der einzige ist, der in dieser Aufnahme zu sehen ist: Mycroft steht schließlich auch im Hintergrund rum. Mal davon abgesehen, dass Sherlock keinen der beiden ansieht, sondern eventuell auch zu einer dritten Person spricht. Zu wem? Nun, das kann uns auch Arthur Conan Doyle nicht verraten, denn sein Sherlock Holmes hätte sich nie zu derartigen Gefühlsausbrüchen hinreißen lassen. Aber das macht ja nichts, wir werden es auch ohne Doyles Hilfe bald herausfinden. The game is (almost) on!

26 replies

  1. Ein wirklich interessanter Beitrag. Ich glaub ich muss die Bücher auch mal lesen. Ich hätte nicht gedacht das es wirklich so viele Parallelen gibt die einen beim Spekulieren weiter helfen. Dachte eher dass sich die Autoren doch viel frei ausgedacht haben.

    Wie gesagt ein wirklich guter Blogeintrag

    Gefällt mir

  2. Soo Ich muss hier einfach meinen Kommentar hinterlassen.
    Ersteinmal
    Wholockian gesucht und gefunden *__*
    Wenn Ich mit diesem „kleinen“ Kommi fertig bin werde Ich mich durch deine Seiten klicken und (hoffentlich) keinen Fangirlanfall bekommen
    *räusper*

    Das du die Orginale von Holmes gelesen hast finde Ich sehr gut ^^ Der gute Arthur war ein wunderbarer Autor und wenn man die Serie liebt, dann sind seine Geschichten quasi Pflicht (:
    Ich muss aber zugeben das Benedict dem Original Holmes knapp überlegen ist (und das liegt nicht am ghypten lila Hemd XD)

    Was Ich (bisher) von den Episoden halte (spoilerfrei, man weiß ja nie)

    The Six Thatchers
    Diese
    Episode
    existiert
    Nicht.

    The Lying Detective
    So fucking much feeeels ;-;
    Aber NIEMAND fasst meinem MyMy an 😀 *hust hust*
    Und das Ende hat mich mit einem riesigen WTF Gesicht zurückgelassen. Gefolgt von Millionen von Theorien und

    gnaaah ich brauche

    The Final Problem
    „Miss me?“ 😉
    Die Folge lief noch nicht weshalb man unendliche Theorien aus Episode zwei hier einführen könnte. Mein persönlicher Favorit:
    People always stop looking after three

    Zu deiner Mori Theorie
    Es wäre natürlich sehr spannend wenn man seinen Bruder einführen würde. Außerdem wäre es der Beweis, dass Sherlock auch „nur“ ein Mensch ist der sich mal irren kann. Ich bin auf jedenfall gespannt.

    Die nächsten zwei Punkte lasse Ich mal weg weil da bereits Dinge

    Das „I Love You“ von Sherlock
    Mein persönlicher (aber wohl unmöglicher) Traum wäre es ja wenn Er diese drei kleinen Worte zu Molly sagen würde *seufzt*
    Allerdings würde Ich es auch sehr feiern wenn Er es zu seinem Bruder sagen würde weil Sie nunmal Brüder sind und sich doch auf eine familiäre Art und Weise lieb haben ;-;
    Seit Episode 2 fällt mir noch ein dritter und vierter Charakter ein welchen Er diese Worte schenken könnte, dies würde jedoch zu viel verraten o:
    Es könnte natürlich auch mit der Amo Sache zusammenhängen *Nachdenkliches Gesicht mach*
    Was mich aber irgendwie am meisten interessiert ist
    Warum sagt Er das?
    Ein Sherlock Holmes würde das nicht einfach so sagen…
    Also ist irgendwas im Busch
    Und irgendwie habe Ich das Gefühl es ist nichts Gutes…
    Gnaaah ich brauche die neue Episode, JETZT SOFORT ;-;

    Sooo…das wars eigentlich auch schon. Ich mach mich jetzt ans weiterlesen ❤

    Liebe Grüße
    Rena

    Gefällt 1 Person

  3. Ja aber auch nein…
    Weil es ihr, mir und anscheinend auch ihm so wehgetan hat. Weil es wahr ist und Er in diesem Moment zusätzlich in dieser Wunde rumbohren muss.
    Ich hab in dieser Szene so geweint und als Sie dann vorbei war kam sofort der nächste Schock (MyMy ;-;)
    Insgesamt hat mich die Folge mit Tränen und einem schmerzenden Herzen (und Zahnabdrücken von unterdrückten NOOO Schreien) hinterlassen.
    Was Ich absolut nicht verstehen kann ist, dass Hardcore Johnlock Fans (ich betone hardcore, es gibt auch Johnlocker die das nicht tun) so extrem rumhaten, weil ihr Ship nicht Canon geworden ist. Aber diese Menschen haben es sich bereits bei mir verscherzt, als Sie den Tod von Mary gefeiert haben.
    Alles im Allen ist diese Pause (und diese kleine Angst es könnte die letzte Staffel sein) meh aber gleichzeitig auch gut um die ganzen Schocks zu verdauen ^^

    Gefällt 1 Person

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