[Gesehen] Beauty and the Beast

Es gibt Filme, da weiß ich quasi schon bei Drehbeginn, spätestens aber nach dem ersten Trailer, dass ich sie unbedingt sehen muss. Und zwar an dem Tag, an dem sie ins Kino kommen. Oder spätestens am Wochenende danach. Und dann nochmal. Und nochmal. Und nochmal!

Beauty and the Beast gehörte nicht zu diesen Filmen.
Den Trailer fand ich zwar ganz nett, aber ich war trotzdem einige Zeit unschlüssig, ob ich mir Hermine Die Schöne und das Biest tatsächlich anschauen sollte. Aus dreierlei Gründen. Erstens begeistern mich Liebesgeschichten meistens eher mäßig bis gar nicht. Zweitens bin ich kein großer Freund von Filmen, in denen viel gesungen wird – ja, ich weiß, das ist eine unpopuläre Meinung. Aber La La Land hatte mich unlängst erst wieder in meiner Abneigung bestätigt.  Und drittens mag ich Emma Watson zwar sehr, aber als Schauspielerin hat sie mich bislang noch nicht so wirklich überzeugt.

Nachdem eine liebe Freundin aber auf meine Frage, ob sich der Film denn lohne, mit den Worten: „Ich finde, man kann das durchaus machen“ antwortete und dann auch vorschlug, dass wir uns den Film nochmal zusammen anschauen könnten, war ich dann doch entschlossen, mich auf die Sache einzulassen. Auch wenn ich mich insgeheim auf die Möglichkeit vorbereitete, zwei Stunden lang genervt mit den Augen zu rollen.
Aber immerhin hatte ich den dazugehörigen Zeichentrickfilm nie gesehen und so bestand auch keine Gefahr, dass kostbare Kindheitserinnerungen besudelt werden konnten.
Mit immernoch recht gespaltener Persönlichkeit fand ich mich dann also gestern im CineStar Original am Potsdamer Platz wieder – eine Hälfte von mir dachte „Das wird bestimmt ganz nett“ während die andere Hälfte vehement ausrief: „Das wird garantiert schrecklich!“ Gemischte Erwartungen also.

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In jedem Fall hätte ich nicht damit gerechnet, am Ende in den, beim Abspann aufkeimenden, Applaus im Saal mit einzustimmen.
Aber genau so ist es letztendlich gekommen. Wie konnte das denn passieren?

Tja, maßgeblich dazu beigetragen hat zweifellos, dass einfach alles in diesem Film, angefangen beim Szenenbild über die Kostüme bis hin zu den Animationen einfach wunderschön aussah und die Farben und die Tanzeinlagen für meine Augen, die den ganzen Tag über auf einen Computerbildschirm mit PowerPoint Präsentationen und Excel Tabellen gestarrt hatten, eine märchenhafte Abwechslung waren.

Und wo wir schon von Schönem sprechen, darf man natürlich Belle, die namensgebende Schöne, nicht unerwähnt lassen.
Emma Watson ist, rein vom Äußerlichen, zweifellos für diese Rolle die perfekte Besetzung. Zumindest würde mir spontan keine andere Schauspielerin einfallen, die ich mehr mit dem Wort „Beauty“ assoziieren würde.
Natürlich liegt aber die eigentliche Schönheit Belles darin, dass sie nicht nur äußerlich beeindruckt sondern auch intelligent, belesen, loyal und mutig ist – was mir persönlich noch sehr viel mehr imponiert. Auch diese Eigenschaften konnte Emma Watson für mich überzeugend darstellen. Nicht unbedingt verwunderlich. Denn Belle ist Hermine, der Rolle, die Emma Watson für 10 Jahre verkörpert hat, in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Durch ein paar Jahre mehr Erfahrung als Schauspielerin wirkt die Performance auf mich nun auch eine Spur realistischer. Und singen kann sie auch noch!

Luke Evans mimt dazu noch überzeugender den abscheulichen Gegenpart. Aufschneiderisch, dämlich, selbstverliebt und skrupellos verkörpert Gaston all das, was man (und mit „man“ meine ich hier vor allem mich selbst) sich nicht von einem Mann wünscht. Im Inneren ist er das eigentliche Biest – und man fragt sich, warum der aufgescheuchte Mob ihn nicht mit Fackeln und Mistgabeln durch die Gassen des verschlafenen Dörfchens treibt.

Zum Schluss bekommt er hier gerechterweise aber dann doch die Quittung für seine Taten, während das Biest durch Belles Liebe vom bösen Zauber befreit wird und sich in einen Prinzen zurückverwandelt – allerdings nun mit neuem, verbesserten Charakter.
Hach, die gute alte, heile Disney Welt – nicht realistisch, aber manchmal doch ganz schön.

So schön, dass mir sogar hier und da ein paar Tränen in die Augen geschossen sind. Nun, es könnte sein, dass gestern vielleicht einer dieser Tage war, an denen ich einfach generell nah am Wasser gebaut bin, aber einige Szenen in diesem Film haben es mir einfach angetan. Am schönsten fand ich zweifellos die „Das Biest zeigt Belle die riesige Bibliothek im Schloss“ Sequenz. Da hat vielleicht der Bücherwurm in mir die sentimentale Oberhand gewonnen. Es sei ihm vergönnt.

Ich gebe allerdings zu, dass man für diesen Film in der richtigen Stimmung sein muss. Wenn man sich nicht auf Tanz, Gesang, Disney Magic, einen Ohrwurm am Ende und, ja, eine gute Prise Kitsch einlassen kann oder will, sollte man vielleicht doch lieber von Beauty and the Beast Abstand nehmen. Und alle anderen singen jetzt fröhlich „Be our guest, be our guest, please beeee our gueeest!“

9 Gedanken zu “[Gesehen] Beauty and the Beast

  1. Hallo, hab deinen Blog eben erst entdeckt und bin schon verliebt ;-)! Ich finde, dass du wirklich gute und interessant Beiträge verfasst und deine Bilder zu den Beiträgen find ich besonders entzückend und teilweise sehr kreativ (machst du die alle selber?)
    Danke übrigens, dass auch du meinem Blog folgst :-)! Meine Leserschaft ist zwar noch seehr überschaubar aber ich freue mich über jeden einzelnen!

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    • Aww, vielen Dank für die netten Worte und natürlich auch danke fürs Folgen 🙂
      Die Bilder zu meinen Artikeln knips‘ ich meistens selbst mit dem Handy – es sei denn es steht anders dran. Ich hoffe ich kann meine Fotografie Kenntnisse in der Zukunft noch ein bisschen ausbauen 🙂

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  2. Vielen lieben Dank für deine Kritik. Es hat etwas zu bedeuten, wenn jemand, dem solche Märchen-Musical-Filme normalerweise nicht so zusagen, so positiv von der Inszenierung spricht! Ich persönlich schaue ja eh schon gern Tanz- und Musicalfilme, da ich selbst als Hobby schon jahrelang tanzen. Ich bin aber leider noch nicht dazu gekommen. Hast du es in deutsch oder englisch angesehen? Durch die Gesangseinlagen kann ich mir die Originslversion als noch stimmiger Liebe Grüße Luise

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  3. Ich war von Anfang bis Ende total begeistert von diesem Film. Das Screenplay war einsame spitze, die Songs klasse (Ich wusste gar nicht, dass Emma singen kann 😀 ) und die Special Effects echt super. Das einzige, was mir nicht so ganz gefallen hat war die Synchronisation. Ich gucke Filme eigentlich generell auf Englisch, gerade weil ich deutsche Synchronisationen schrecklich finde. Auch bei Beauty and the Beast konnte man ganz klar die Lippenbewegung von der Sprache unterscheiden … Aber gut, ich bin da so ein kleiner Freak und so eine kleine Nebensächlichkeit kann man bei so einem tollen Film schonmal außen vor lassen 😀

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