Escape Berlin: Wo ist Sherlock (wenn man ihn braucht)?

Samstagabend, 18.40 Uhr. Normalerweise treffe ich meine Freunde in Biergärten oder Bars. Heute jedoch sind wir vor einem Bürogebäude nach feinster ostdeutscher Bautradition in der Nähe des S-Bahnhofs Landsberger Allee verabredet. Ich habe mal drei Jahre lang in der Nähe gewohnt, deshalb darf ich auch sagen: hip oder gar schön ist die Gegend hier nicht gerade. Was uns trotzdem hier her verschlagen hat? Vermutlich meine Leidenschaft für Sherlock Holmes. Sobald nämlich irgendwo der Name des Detektivs genannt wird, stellen sich meine Ohren schneller auf, als die einer Katze wenn eine Dose Futter geöffnet wird. Dementsprechend war ich natürlich sofort begeistert, als mich die netten Menschen von Escape Berlin gefragt haben, ob ich nicht Lust hätte, ihren Sherlock Raum zu testen. Ich wollte ohnehin schon lange mal ein Escape Game ausprobieren und in Kombination mit meinem Lieblingsdetektiv war das natürlich DIE Gelegenheit.
Auch die Freunde mussten nicht lange überredet werden und waren sofort mit von der Partie.
Auf besagte Kompagnons warte ich jetzt gerade und komme derweil mit einer Gruppe junger Männer ins Gespräch. Einer von ihnen trägt einen Umschnallgurt, der mit kleinen Schnäpsen gespickt ist. Offensichtlich ein Junggesellenabschied – ‚Elementary, my dear Watson‘. Sie seien auch wegen des Escape Games hier. Ob ich vielleicht auch einen Schnaps wolle?
„Nee danke, lieber nicht, ich glaub‘, ich muss mich konzentrieren, wir müssen gleich Sherlock suchen. Welchen Raum macht ihr?“
„Wir machen den ‚Schnapsladen‘. Das passt ganz gut.“ sagen sie, und deuten vage in Richtung des Bräutigams in spe mit seinem Schnapsgurt.
Man streckt mir trotzdem ein Schnäpschen entgegen: „Hier nimmste mit, kannste trinken wenn ihr das Rätsel gelöst habt.“ Sie sind ein sympathisches Völkchen und ich wünsche viel Erfolg bei ihrer Mission – woraus auch immer die bestehen mag – und mache mir derweil eine mentale Notiz, den geheimnisvollen ‚Schnapsladen‘ bei der Planung des nächsten Junggesellenabschieds unbedingt zu berücksichtigen.

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Warm Up
Meine Mitstreiter sind unterdessen eingetroffen und wir fahren mit dem Fahrstuhl in den 5. Stock des Gebäudes. Freundlich werden wir begrüßt und in den Warteraum gebeten. Hier kann man sich die Zeit damit vertreiben, den unerwartet schönen Ausblick auf die Stadt und den Fernsehturm zu genießen, die ausgelegten Puzzlespiele zu lösen oder, wie ich, zu befürchten, bei der bevorstehenden Mission mit unglaublicher Einfallslosigkeit zu glänzen und sich deshalb „total zum Klops zu machen“ – wie der Berliner so schön sagt.

Wir alle sind Escape Room Jungfrauen und wissen über die Regeln und unsere Aufgabe zu diesem Zeitpunkt noch wenig. Nur, dass wir Sherlock finden müssen und dass man dazu kein Vorwissen zum Thema Sherlock braucht, haben wir auf der Website gelesen. (Schade eigentlich, denn ich hätte welches im Angebot gehabt.)
Schon bald betritt eine freundliche, junge Dame den Raum, um uns mit unserer Mission vertraut zu machen: Professor Moriarty treibt wieder sein Unwesen in der Stadt. Nur einer könnte ihm das Handwerk legen: Sherlock Holmes. Ungünstigerweise ist der Detektiv aber verschwunden. Seit Wochen hat ihn niemand gesehen und nicht einmal Dr. Watson und Mrs. Hudson wissen, wo er ist. Und das obwohl seine Wohnung rund um die Uhr beobachtet wurde und niemand ihn die Wohnung hat verlassen sehen…
Tja…ein klassisches „Locked Room“-Rätsel, das Sherlock Holmes vermutlich innerhalb weniger Minuten gelöst hätte. Blöd nur, dass er hier der Vermisste ist. Also muss Scotland Yard mit uns fünf Möchtegern-Detektiven vorlieb nehmen.
Wir sollen herausfinden, ob Sherlock in seiner Wohnung ist. Wenn ja: Wo? Wenn nein: Wie konnte er sie unbemerkt verlassen?

Noch Fragen? Nein? Nochmal zur Toilette? Nein? Na dann, auf den Sherlock, fertig, los.

Der Countdown läuft
Sobald die Tür ins Schloss fällt, vergisst man, dass man sich eigentlich gerade in einem formschönen Plattenbau befindet: Die Möbel sind teilweise über 100 Jahre alt,  und versprühen viktorianischen Charme, Beleuchtung und Soundeffekte sorgen für die passende Stimmung. Ich, als bekennender Schisshase, fand das Ganze zwar einigermaßen gruselig, aber hätte, als Fan von Conan Doyles Erzählungen, hier auch gut und gerne noch eine Weile die Einrichtung und Deko bewundern können. Aber dazu blieb natürlich keine Zeit, der Auftrag wartet. Also mental den Deerstalker zurechtrücken, die Pfeife stopfen und die Lupe zücken: The game is on.

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Natürlich kann ich an dieser Stelle nicht verraten, ob sich der Meisterdetektiv noch in seiner Wohnung befindet oder nicht. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Rätsel dem Namen Sherlock Holmes alle Ehre machen. Nicht nur, weil sie recht anspruchsvoll sind (und ich froh war, dass ich den Schnaps noch nicht getrunken hatte, den mir die Jungs unten gegeben hatten) sondern auch, weil hier nach alter Conan Doyle Manier ein paar Red Herrings – also falsche Fährten – verteilt sind. Wenn man darauf hereinfällt oder sich generell verhaspelt und nicht weiterkommt, werden Hinweise über einen Monitor eingeblendet. Es widersprach zwar unserem Ehrgeiz, aber auch wir mussten darauf ein paar Mal zurückgreifen. Oft waren wir zwar auf der richtigen Spur, scheiterten aber an der konkreten Umsetzung, wodurch wir einiges an Zeit vergeudet haben. Das führte dazu, dass wir gegen Ende unserer 60-minütigen Mission gehörig ins Schwitzen kamen. Besonders weil ab einer Restzeit von 15 Minuten auf dem Monitor ein Countdown gestartet wurde, was den Druck nicht gerade verringert hat.
10 Minuten. Die Stimmung wurde hektischer, der Blutdruck stieg. Tick, tock, tick, tock. Ich war stolz und ehrlich gesagt auch ein wenig überrascht, dass wir trotzdem, auch auf den letzten Metern, gut zusammengearbeitet und uns nicht gegenseitig vollgemeckert haben. Hat die ständige Gruppenarbeit in der Uni doch was gebracht?
5 Minuten. Wir kombinierten, rätselten, suchten und rannten wie eine Horde aufgescheuchter Lestrades durch den Raum. TICK, TOCK, TICK, TOCK!
Noch eine Minute! Ein letzter Hinweis vom Bildschirm. Chaos! Eine Diskussion, ein paar fixe Handgriffe…Und BÄMM – das Rätsel war gelöst. Der Timer zeigte 00:02 an – das war knapp. Zwei Sekunden! ZWEI SEKUNDEN länger und wir wären bei Scotland Yard, England und vermutlich der Queen in Ungnade gefallen. PUH!

Mission accomplished!
Aber sei es wie es sei: wir haben unseren Auftrag erfolgreich ausgeführt – das ist es ja, was am Ende zählt. Etwas außer Atem, aber glücklich, ein wenig stolz und – weil ich mich an einer Stelle so erschreckt hatte, dass ich wie in der Dusch-Szene im Film Psycho geschrien habe – hellwach, nehmen wir nochmal kurz auf der viktorianisch anmutenden Couch Platz, um unsere Arbeit noch einmal Revue passieren zu lassen.

Ob die Jungs aus dem Schnapsladen wohl auch erfolgreich waren? Wir zumindest, brauchen jetzt erstmal ein Bier – haben wir uns auch verdient.

Über ESCAPE Berlin

logo2_white_500Wer versuchen möchte, unsere Bestzeit *hust* zu schlagen, oder die anderen Räume auszuprobieren, findet die Jungs und Mädels von Escape Berlin an der Storkower Straße 140 in 10407 Berlin, direkt am S-Bahnhof Landsberger Allee.
Oder im Netz unter https://www.escape-berlin.de

Mehr zu Escape Games in Berlin und anderswo erfahrt ihr auf https://www.escape-game.org

Vielen lieben Dank an Escape Berlin für die Einladung zum Testspiel!

6 replies

  1. Das Claustrophobia im Alexa (u.a.)ist auch sehr zu empfehlen, hab ich Ende April mit Freunden gemacht. Großartig, dieser Einfallsreichtum und die vielen tollen Details. Das war der Piratenraum, aber den Schutzbunker machen wir auch noch mal.
    Und in der Nähe der Landsberger Allee waren wir auch in nem „Exit the room“Laden im KGB-Raum, auch sehr gut. In Berlin gibts da echt einiges gutes 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Ja, in Berlin gibt’s echt so viele Escape Rooms. Für das Exit the Room hab ich von meiner Schwester einen Gutschein bekommen. Freue mich schon drauf – die Website sieht klasse aus!

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