Happy Birthday, Harry!

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The stories we love best do live in us forever.
J.K. Rowling

Es ist merkwürdig, dass mich der 31. Juli – Harry Potters Geburtstag – stets an einen Tag im tiefsten Winter erinnert. Nicht irgendein Wintertag wohlgemerkt. Es war der 24. Dezember 2000 und unter unserem Weihnachtsbaum lag ein Päckchen für mich – die ersten drei Harry Potter Bände.
Ich war krank an diesem Weihnachtsfest – eine Grippe sorgte dafür, dass ich den Großteil der Festtage im Bett verbringen musste. Aber das war nicht länger schlimm, denn nun hatte ich diese wunderbaren Bücher an meiner Seite.
Noch heute kehre ich zu den Harry Potter Büchern und Filmen zurück, wenn es mir schlecht geht, wenn ich Aufmunterung brauche, wenn ich mich einsam fühle. Hogwarts ist mein Zuhause geworden – wie es das Zuhause Millionen anderer Fans ist. Ich weiß, derartige Aussagen über fiktive Welten werden in der ‚realen‘ Welt oft belächelt oder missgünstig beäugt (Hat das Kind etwa den Verstand verloren?) – aber ich denke, in diesem speziellen Fall sind sie mehr als gerechtfertigt.

„After all this time?“
„Always,“ said Snape.
Harry Potter and the Deathly Hallows

Die Harry Potter Saga erzählt in ihrem Kern eine Geschichte vom klassischen Kampf ‚Gut gegen Böse‘, aber sie ist noch so viel mehr. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Liebe, Mut, Verlust und nicht zuletzt vom Erwachsenwerden.
Als ich begann, die Bücher zu lesen, war ich 12 und Harry 11 – als der letzte Band erschien, war ich 19 und Harry 17. Wir – Harry und ich – sind also gewissermaßen zusammen erwachsen geworden. In dieser, doch recht wichtigen und emotional turbulenten, Zeit, hat es mich gestärkt, zu sehen, dass auch Figuren, die unweigerlich die Welt retten müssen, sich mit den selben Problemen herumschlagen müssen wie ich selbst.
Die Figuren in Harry Potter sind nahbar, man kann sich mit ihnen identifizieren, weil sie alles andere als perfekt sind. Sie treffen falsche Entscheidungen, handeln impulsiv, sind sturköpfig, sie haben Ecken und Kanten – und sind genau deshalb so glaubwürdig. Deshalb fiel es mir auch so leicht, die Lektionen, die sie mir mit auf den Weg gaben, zu verinnerlichen. Sicherlich hätte ich diese Erkenntnisse auch so irgendwann gewonnen – aber durch die Bücher sind sie mir bewusst geworden und – noch viel wichtiger – im Gedächtnis geblieben.

It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities.
Harry Potter and the Chamber of Secrets

Im Gedächtnis geblieben sind mir auch die vielen Begegnungen und Momente, die mir Harry Potter beschert hat.
Ich erinnere mich an Harry Potter Movie Nächte, Endlosdiskussionen und -schwärmereien mit Gleichgesinnten – on- und offline. An kurze Gespräche mit vollkommen Fremden, die mir erzählen, dass ihnen mein Hogwarts-Shirt gefällt. Daran, wie ich das Dorfleben verfluchte und tieftraurig war, weil man Harry Potter and the Half-Blood Prince am Erscheinungstag nirgendwo bekommen konnte und wie mein damaliger Freund plötzlich mit dem besten Geschenk, einem druckfrischen Exemplar, auftauchte und den Tag rettete. Am Erscheinungstag der neuen Filme mit meiner Schwester im Kino zu sitzen – und ein paar Tage später noch einmal mit Freunden. Und wie der, für Harry Potter viel zu coole, Checker, ein paar Reihen vor uns im Alhambra Kino in Berlin Wedding, plötzlich ein entrüstetes „NEEEEEEIIIN!“ ausrief als Dobby starb. An den 30-minütigen Lach-Flash, als ich herausfand, dass Voldemorts zweiter Vorname im Französischen Elvis lautet und Zauberstab baguette magique heißt. An den Besuch der Leavesden Studios in London, wo ich auf einem Besen geflogen bin und beim Anblick des metergroßen Modells des Hogwarts-Schlosses Tränen in den Augen hatte. An die Harry Potter Walking Tour durch London vor zwei Jahren, bei der ich auf Leute traf, die man mit Harry Potter Fachwissen tatsächlich beeindrucken konnte. Aber auch daran, wie ich viel zu oft über Harry Potter rede, und meine Freunde mir zuhören, auch wenn sie sich für Harry Potter gar nicht interessieren – einfach weil sie wissen, dass mir die Geschichte viel bedeutet. Daran, dass ich von meiner wunderbaren Schwester eine Mitternachtslieferung des letzten Bandes geschenkt bekommen habe. Von dem ich dann, als es der Mitternachtslieferant gebracht hatte, zuerst den letzten Satz lesen musste, weil ich die Spannung physisch und mental nicht ertragen konnte. Und wie mich die Widmung dieses Buches rührte und auf die vielen Tränen vorbereitete, die die Seiten des Buches bis heute wellen.

…and to you, if you have stuck with Harry until the very end.
Harry Potter and the Deathly Hallows

Es sind hunderte kleine, wunderbare Erinnerungsstückchen, die ich mit Harry Potter verbinde. Und beim Gedanken, dass es Harry Potter Fans überall auf der Welt genauso geht, geht mir das Herz auf.

Ich weiß nicht, ob mein Leben ohne Harry Potter anders verlaufen wäre – wahrscheinlich im Großen und Ganzen nicht – aber ich bin dankbar, dass diese Frage nur hypothetisch bleibt. J.K. Rowling, die heute übrigens auch Geburtstag feiert, hat mit ihrer Geschichte nicht nur eine ganze Generation zum Lesen, und vielleicht sogar zum Schreiben, inspiriert, sondern eine Welt erschaffen, die noch heute, 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung, Zuflucht, Hoffnung und Freude spendet.
Bevor ich also noch sentimentaler werde: Happy Birthday, J.K.! Happy Birthday, Harry, alter Freund. Danke für alles!

He couldn’t know that at this very moment, people meeting in secret all over the country were holding up their glasses and saying in hushed voices: „To Harry Potter – the boy who lived!“
Harry Potter and the Philosopher’s Stone

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