[GELESEN] Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe

IMG_20170801_222024_894Benjamin Alire Sáenz‘ Roman Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe trägt seine Auszeichnungen auf dem Cover stolz zur Schau. Stonewall Book Award for LGBT Fiction, Lambda Literary Award, Michael L. Printz Award Honor for Young Adult Fiction, Pura Belpré Narrative Medal for Latino Fiction – noch ein paar mehr und die Plaketten hätten gar nicht mehr aufs Cover gepasst. Augenscheinlich haben wir es hier mit einem, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgezeichneten Roman zu tun.
Mich persönlich machen so viele Auszeichnungen, genau wie Goodreads Scores von über 4,2,  ja immer etwas misstrauisch. Allzu oft haben Bücher dieser Art mir die Frage ‚Warum genau finden das jetzt alle so super?‘ abgerungen. Aber bei diesem Roman war das anders. Hier verstehe ich die Begeisterung von Kritikern und Lesern nicht nur, ich teile sie sogar.

In Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe geht es um die Geschichte zweier mexikanisch-amerikanischer Teenager in den späten 80er Jahren. Erzählt wird sie aus der Perspektive von Aristotle, der sich aber lieber Ari nennt. Er ist Einzelgänger und behält seine Gefühle lieber für sich. Genau wie sein Vater, der die Erlebnisse des Vietnam Krieges nie verarbeitet hat. Aris Bruder sitzt im Gefängnis, doch auch darüber wird in der Familie nicht gesprochen – wenngleich kein Tag vergeht, an dem Ari sich nicht fragt, was damals passiert ist und warum alle Erinnerungen an den Bruder aus dem Haus verbannt wurden. Zwischenmenschliches liegt Ari nicht besonders, zu anderen Jungs in seinem Alter findet er keinen Draht. Bis er eines Tages im Schwimmbad auf Dante trifft. Mit ihm scheint plötzlich alles einfach zu sein – oder zumindest sehr viel einfacher als mit allen anderen.
Dante ist ganz anders als Ari. Er trägt sein Herz auf der Zunge, interessiert sich für Kunst und Poesie, ist allem gegenüber aufgeschlossen und führt einen offenen Krieg gegen Fußbekleidung. Was beide jedoch verbindet ist das Gefühl, nirgendwo wirklich dazuzugehören.
Bald entsteht zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft, die allen Widrigkeiten trotzt. Sie lachen viel, sprechen über Banales und Tiefsinniges und haben zum ersten Mal in ihrem Leben jemanden gefunden, mit dem sie Gefühle und Erfahrungen teilen können. Doch während für Dante bald klar ist, dass er mehr als Freundschaft empfindet, hat Ari Probleme damit, seine eigenen Gefühle zu erfassen und zu deuten…

Sich selbst zu verstehen und mit sich ins Reine zu kommen ist eine der größten Prüfungen, denen man sich als Teenager stellen muss. Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe fängt diese emotionale und wichtige Zeit des Umschwungs wunderbar ein. All die Wut, die Ungewissheit, die Hormone, all die Gefühle die einem vorher unbekannt waren und die Frage danach, wer man ist, und wer man sein wird – all das zeigt dieses Buch authentisch, berührend und hautnah. Gleichzeitig ist so viel Liebe und so viel Zuneigung in diesem Buch, dass man die Tränen beim Lesen nur schwer wegblinzeln kann. Hier geht es nicht nur um die Art Liebe, die man in Freundschaften und Liebesbeziehungen erfährt, sondern vor allem um die innerhalb der Familie – mit der man gerade als Teenager nicht immer umzugehen weiß.

Bei all den Emotionen bleibt trotzdem Platz für Leichtigkeit und Witz. Der Schreibstil des Buches ist flüssig, einfach, und doch erkennt man deutlich, dass Benjamin Alire Sáenz auch Poet ist und Gedichte schreibt. Es gelingt ihm mühelos, diese kleinen Momente und Erkenntnisse mit einfachen Worten einzufangen, die einen während des Heranwachsens wie ein Blitzschlag treffen können und einem einen kleinen Einblick in die Geheimnisse des Universums gewähren.

Obwohl ich mit meinen 29 Jahren nicht mehr unbedingt zur Zielgruppe dieses Young Adult Romans gehöre, hat mich dieses Buch zum Lachen gebracht und zu Tränen gerührt. Es ist eines dieser wunderbaren Bücher, an die man auch denkt, wenn man sie gerade nicht liest.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass sich am Ende alles ein wenig zu einfach und ein wenig zu perfekt fügt – aber das ist natürlich Geschmackssache. Wer auf der Suche nach einer schönen Coming of Age Story ist, wird bei Aristotle and Dante Discover The Secrets of the Universe in jedem Fall fündig werden. Taschentücher nicht vergessen!


Infos zum Buch

Titel: Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe
Autor: Benjamin Alire Sáenz
Verlag: Simon & Schuster Books for Young Readers
Erstveröffentlichung: 2012
Seiten: 368
ISBN: 978-1442408937
Deutscher Titel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums (aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit, dtv Verlagsgesellschaft, 2014, ISBN 978-3423717410)

 

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