Adventskalender | 1. Dezember: You’re a mean one

HOHOHO – es ist soweit! Heute ist der 1. Dezember und überall öffnen sich die ersten Türchen der Adventskalender. Auch auf Fiktion fetzt! Denn in diesem Jahr gibt es hier, unter dem Motto #StoryStattSchoki, einen Adventskalender voller Weihnachtsgeschichten. Jeden Tag bis zum 24. Dezember erscheint ein Artikel zu einer weihnachtlichen Story. Falls ihr noch mehr dazu erfahren wollt, lest doch fix HIER nochmal nach.

Aber nun zur Sache: Was verbirgt sich hinter Türchen Nummer 1? Ihr habt es sicherlich schon erraten: ein echter Weihnachtsklassiker!

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How the Grinch Stole Christmas!

Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke

von Dr. Seuss

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In einer Höhle auf dem Berg am Rande der Stadt Whoville lebt der Grinch. Er ist mürrisch, grummelig und gemein. Warum? Nun, ganz einfach: sein Herz ist zwei Nummern zu klein! Während das Weihnachtsfest für die Bewohner von Whoville der Höhepunkt des Jahres ist, HASST der Grinch Weihnachten. Er hasst den Krach, das Singen, die Völlerei und vor allem hasst er die Geschenke, die, so denkt er, der Ursprung all des weihnachtlichen Übels sind. Er beschließt daher, dem ganzen Lärm ein Ende zu bereiten und die Geschenke der Whoville-Bewohner zu stehlen. Ein schrecklich teuflischer Plan!

Dr. Seuss, der eigentlich kein Doktor ist und mit vollem Namen Theodor Seuss Geisel heißt, veröffentlichte How The Grinch Stole Christmas! im Jahr 1957. Die kurze Geschichte ist in Reimform geschrieben und mit Illustrationen des Autors versehen. Sie richtet sich daher vor allem an Kinder (aber hat auch schon das Herz des einen oder anderen Erwachsenen erobert). Seinen ersten Auftritt hatte der Grinch allerdings schon zwei Jahre zuvor, im 1955 veröffentlichten 32 Zeilen-Gedicht The Hoobub and the Grinch.

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In der Figur des Grinches steckt ein wenig von Dr. Seuss selbst – und das nicht nur, weil der Grinch in der Geschichte genauso alt ist wie der Autor als er sie schrieb (nämlich 53). Und auch nicht nur, weil Dr. Seuss ein Auto fuhr, auf dessen Nummernschild GRINCH zu lesen war. Nein, nein, es steckt noch mehr dahinter. Denn als sich der Autor am Morgen des 26. Dezember 1956 vor dem Spiegel die Zähne putzte, bemerkte er einen sehr „grinchhaften“ Ausdruck auf seinem Gesicht, der ihn dazu veranlasste, How the Chrich Stole Christmas! zu schreiben. Er äußerte sich zu diesem Moment später wie folgt: „So I wrote about my sour friend, the Grinch, to see if I could rediscover something about Christmas that obviously I’d lost.“
Dr. Seuss wollte eine Geschichte schreiben, die zeigt, worum es beim Weihnachtsfest tatsächlich geht. Nämlich nicht um Geschenke, sondern um Liebe, Beisammensein und Freude. How The Grinch Stole Christmas! ist daher durchaus als Konsumkritik zu verstehen. Denn am Ende (Achtung, Spoiler-Alert) ist es den Bewohnern von Whoville egal, dass der Grinch ihre Geschenke gestohlen hat. Sie singen, sie feiern, sie freuen sich trotzdem, feiern ihr Fest ganz ohne Geschenke. Der Grinch ist davon so bewegt, dass sein Herz gleich zwei Nummern größer wird. Er bringt das Diebesgut zurück und feiert zusammen mit den Bewohnern ein wunderschönes Weihnachtsfest. Awww!

Dr. Seuss‘ Weihnachtsklassiker wurde schon diverse Male adaptiert. Das erste Mal 1966 von Chuck Jones. Der rund 25-minütige Zeichentrickfilm zeigt die Geschichte fast 1 zu 1 wie im Buch. Wenn ihr also keine Lust zum Lesen habt, nehmt euch doch 20 Minuten Zeit für dieses kleine Filmchen. Hier kam übrigens auch erstmals der bekannte Weihnachtssong „You’re a mean one, Mr. Grinch“ vor, dessen Text Dr. Seuss selbst verfasst hatte.

Viele von euch kennen sicherlich auch die Verfilmung aus dem Jahr 2000 mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Der Live-Action Film von Regisseur Ron Howard zeigt eine, sagen wir mal, etwas überzeichnete und verrückte Version des Grinches. Der Film stattet seinen Protagonisten außerdem mit einer Backstory aus. Denn die Frage, warum der Grinch eigentlich wirklich so fies ist und Weihnachten hasst, betrachtet Dr. Seuss‘ Originalgeschichte nur in Ansätzen. Die Erklärung, dass er einfach ein kleines Herz hat, reicht in einem kurzen, märchenhaften Buch vielleicht aus, als Motiv für einen längeren Film jedoch nicht. Und so sehen wir hier, wie es dazu kam, dass der Grinch das Weihnachtsfest verabscheut und werfen einen Blick in seine Kindheit. Trotz dieser traurigeren Töne ist der Film insgesamt sehr laut, wild und auch, wie ich finde, ein bisschen albern. Das ist natürlich alles Geschmackssache. Aber bei dem ganzen Getöse und Geschreie geht mir persönlich der Zauber der Geschichte ein wenig verloren.

Dürfte ich euch deshalb stattdessen vielleicht die jüngste Verfilmung von Dr. Seuss‘ Weihnachtsgeschichte ans Herz legen? The Grinch aus dem Jahr 2018, von den Regisseuren Scott Mosier und Yarrow Cheney. Dieser Animationsfilm mit Benedict Cumberbatch als Grinch (deutsche Synchro: Otto Waalkes) ist, wie ich finde, eine sehr gelungene Adaptation des Weihnachtsklassikers.

Dr. Seuss‘ Originalstory wird natürlich auch in dieser Adaption ein wenig ausgeschmückt. Es gibt Übertreibungen (insbesondere was das Weihnachtsfieber der Whovians betrifft) und Ergänzungen. Aber diese Aufbereitung für das Publikum von heute erscheint sehr viel weniger absurd als in dem Jim Carrey Film. Auch hier versuchen die Filmemacher eine Erklärung dafür zu geben, warum der Grinch so ist, wie er ist. Dazu schauen wir hier ebenfalls in seine Vergangenheit. Dort wartet er als kleiner Waisenjunge vergeblich auf ein schönes Fest. (Was einem wirklich das Herz bricht!)
Der Grinch wird in diesem Film als Bösewicht ein wenig entschärft. Er bleibt zwar irgendwie fies, aber auf eine Art und Weise, die man nachvollziehen kann – mit diesem Grinch kann man sich ein Stück weit identifizieren.
Die Verfilmung ist bittersüß, sehr witzig und vor allem unglaublich niedlich. Außerdem hat sie einen wirklich phänomenalen Soundtrack, der sich vor allem durch einen Mix von klassischen Weihnachtshits und hip-hoppigen und rockigen Interpretationen auszeichnet. Super cool – und eine schöne Ergänzung für jede Weihnachtsplaylist.

Beide moderne Verfilmungen stellen übrigens noch einen weiteren weihnachtlichen Aspekt in den Fokus, der in Dr. Seuss‘ Geschichte etwas zu kurz kommt: Vergebung. Die Bewohner verzeihen dem Grinch sein Verbrechen. Anstatt ihn auszuschließen und zu verurteilen, nehmen sie ihn, trotzdem er ihnen das Weihnachtsfest stehlen wollte, in ihre Mitte auf. Herzerwärmend und wunderschön – und genau die richtige Botschaft für das sogenannte Fest der Liebe.

Also egal, ob nun Dr. Seuss‘ Original, Ron Howards wilde Weihnachtslandschaft oder die zuckersüße Animation aus dem letzten Jahr: How The Grinch Stole Christmas ist eine zeitlose Geschichte, die den Geist des Weihnachtsfestes wunderbar einfängt. Der Versuch des Grinches, das Fest durch das Stehlen der Geschenke zu torpedieren, schlägt fehl, weil es bei Weihnachten eben nicht um Geschenke geht – oder zumindest nicht gehen sollte.
Vielleicht sollte man diese Geschichte und ihre Moral daher im Hinterkopf behalten, wenn man sich auf die stressige Jagd nach den besten, tollsten, teuersten und außergewöhnlichsten Geschenken begibt. In diesem Sinne: Einen schönen ersten Advent!

GrinchZitatChristmas

 

Türchen 2

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