Adventskalender | 19. Dezember: Gewalttätig und zuckersüß

Hallo, Weihnachtsfreunde – ein neuer Tag, ein neuer Eintrag im Weihnachtsgeschichten Adventskalender! Das Weihnachtsfest rückt immer näher und da wird es Zeit, mal einen großen Christmas-Kracher auszupacken. Deshalb steckt hinter Türchen Nummer 19 ein Film, von dem ihr euch vielleicht schon gefragt habt, wann er hier wohl auftauchen wird.

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Home Alone
Kevin – Allein zu Haus
1990

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HAKevin – Allein zu Haus ist vermutlich einer der Weihnachtsfilme schlechthin. Keine Liste „Der besten Weihnachtsfilme“ kommt ohne die Weihnachtskomödie von Regisseur Christ Columbus aus. Es ist einer der ersten Filme, die einem in den Sinn kommen, wenn man Weihnachtsfilme aufzählen soll. Daher weiß natürlich jeder, was passiert: Die Familie McCallister macht über Weihnachten Urlaub in Paris und hat dabei etwas Wichtiges Zuhause vergessen: KEVIN – den 8-jährigen Sohn! Der verbringt dann 3 Tage damit, den Traum eines jeden Introvertierten zu leben: Drei Tage lang allein zu Hause sein. Alles wäre okay – denn Kevin ist ein smartes Kind – wären da nicht die beiden Einbrecher, die versuchen, in das Haus einzudringen und gegen die Kevin sich nun behaupten muss.

Wie für viele andere gehört Kevin – Allein zu Haus für mich zu Weihnachten einfach dazu. Ich habe den Film schon unzählige Male gesehen – sowohl als Kind als auch als Erwachsener. Die Sichtweise verändert sich dabei freilich. Als Kind gruselte mich der Film immer ein bisschen. Besonders der Nachbar, der angeblich seine Familie umgebracht hatte, jagte mir immer ein bisschen Angst ein. Auch wenn ich natürlich irgendwann wusste, dass das nicht stimmte. Aber die Stimmung und die ‚Carol of the Bells‘-Musik, die seine Szenen untermalte, waren trotzdem immer ziemlich furchteinflößend. (Heute ist es die Storyline des Nachbarn, die mich am meisten bewegt). Aber alles in allem sprach mich der Film als Kind sehr an. Denn Kevins Erlebnisse zeigen ja im Grunde die zwei gegensätzlichen Gedanken und Antriebe eines Kindes. Kevin kann in dem Film endlich das tun, was einem die blöden Erwachsenen immer verbieten – zum Beispiel Eiscreme zum Frühstück essen. Außerdem behauptet er sich ziemlich erfolgreich gegen zwei ausgewachsene Einbrecher. Diese Can-Do-Attitüde gefiel mir. Gleichzeitig ist es natürlich so, dass man als Kind immer ein bisschen Angst hatte, dass die Erwachsenen irgendwann ‚weggehen‘ könnten und einen zurücklassen. Ja, sie stellen blöde Regeln auf, aber am Ende ist man ja doch ganz froh, dass sie da sind.  Diese Erfahrung macht auch Kevin. Als seine Mutter es endlich nach Hause schafft und ihren Sohn in die Arme schließt – das fand ich immer schön. (Finde ich auch heute noch.)

Als Erwachsener beruht die Liebe zu diesem Film allerdings nicht darauf, dass ich ihn heute noch für einen besonders guten Film oder einen zeitlosen Klassiker halte. Nein, ich mag ihn, weil er mich an meine Kindheit erinnert. Besser gesagt: Er erinnert mich daran, wie ich ihn als Kind zur Weihnachtszeit gesehen habe. Weihnachten ist ein Fest, das von Nostalgie lebt und von Erinnerungen an längst vergangene, großartige Weihnachtsfeste – die, an denen man noch klein war. Als jemand, der seine Kindheit in den 90ern verbrachte, ist der 90er Jahre Klassiker der Film, der diese Erinnerungen an diese Weihnachtsfeste wieder hochholt. (Außerdem: Wie klein und süß ist Macaulay Culkin da bitte noch?) Aber der Film erinnert mich nicht nur an meine eigene Kindheit, er ist auch eine Erinnerung an ‚simplere‘ Tage, in denen Geschichten wie diese überhaupt möglich waren. Denn in Zeiten der mobilen Massenkommunikation wäre es unvorstellbar, dass ein kleiner Junge so abgeschnitten von der Außenwelt wäre und es wäre – in Zeiten nach 9/11 – unmöglich, dass eine Familie erst 3 Minuten vor Abflug am Flughafen eintrifft und in ein Flugzeug steigt, ohne beim Check-In und den Sicherheitskontrollen zu bemerken, dass eines ihrer Kinder fehlt.
Außerdem drängt sich heute bei mir noch ein anderer Gedanke in den Vordergrund, nämlich: Mein Gott, warum ist dieser Kinderfilm so gewalttätig? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden Verbrecher Kevins Abwehrattacken eigentlich gar nicht überleben dürften. Was ich als Kind irgendwie witzig fand (weil ich wahrscheinlich noch nicht wusste, wie weh all das tun würde, was Kevin mit den Verbrechern anrichtet), ringt mir heute eher verstörte Blicke ab. Die Verbrennungen von dem glühend heißen Türknauf und der Nagel in der Treppe seien da nur mal beispielhaft erwähnt. Außerdem frage ich mich die ganze Zeit: Warum zur Hölle geht Kevin nicht zur Polizei? Zumindest nachdem die Einbrecher zum ersten Mal versucht haben ins Haus einzudringen. In den Supermarkt hat er es doch auch geschafft!

Aber egal – all das ändert nichts daran, dass Kevin Allein zu Haus Erinnerungen an Kindheitstage weckt und deshalb zu Weihnachten dazu gehört, wie der Weihnachtsbaum. Also gönnt euch doch auch nochmal ein bisschen 90er Jahre Weihnachtsnostalgie (und versucht, nicht zu heulen, wenn der Nachbar seine Enkeltochter wieder in die Arme schließt).

<<Türchen 18 | Türchen 20 >>

 

There are 6 comments

  1. Carax&VanNuys

    Boah, wie unfassbar lang hab ich diesen Film nicht mehr gesehen! Ich erinner mich kaum noch… Aber ich hatte als Kind tatsächlich (da: Gewalt!) ab einem gewissen Punkt Mitleid mit den Einbrechern- 🤔 😂

    Guten Morgen! VVN

    Gefällt 2 Personen

  2. fraggle

    Ich gestehe, dass ich den Gesichtspunkt „gewalttätig“ wesentlich entspannter betrachte. Als Kind, so wie auch heute, war für mich ganz im Gegenteil der Part, in dem die beiden Einbrecher gefühlt im Sekundentakt, mit Verlaub, auf die Fresse bekommen haben, der mit Abstand komischste des Films. Vielleicht bin ich aber auch abgestumpft … 😉

    Gefällt 2 Personen

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