[LESERÜCKBLICK] Was vom Mai noch übrig blieb

Vorbei der Mai! Das ist auch gut so – denn stressig war er, der angebliche Wonnemonat. Deshalb bin ich auch nicht allzu viel zum Lesen gekommen. Das schlägt sich zwar nicht unbedingt in der Anzahl der gelesenen Bücher (6) nieder, dafür aber in der Länge der Lektüre. Keines der Bücher hatte viel mehr als 300 Seiten auf dem Buckel.

IMG_20170601_204026_862Aber wie wir alle wissen, können Bücher auch überzeugen, ohne dass man sich einen Bruch hebt, wenn man sie aus dem Regal zieht. Wie sagt man so schön? In der Kürze liegt die Würze.

Mein Highlight in diesem Monat war definitiv Chris Palings Reading Allowed und das Schlusslicht eindeutig Jay Ashers Thirteen Reasons Why. Über beide habe ich mich allerdings schon in separaten Artikeln ausgelassen: hier (Paling) und hier (Asher). Da zwischen überschwänglicher Begeisterung und nur schwer unterdrückbarem Augenrollen aber noch eine Menge Platz ist, hier noch ein paar Worte zu den wunderbaren Büchern aus dem Dazwischen:


Der Club

von Takis Würger

Verlag: Kein & Aber, Erstveröffentlichung: 2017, Seiten: 240, ISBN: 978-3036957531

Nirgendwo ist man sicher! Takis Würgers Der Club ist einfach überall. Instagrammer, Bücher-Blogger, entfernte Bekannte auf Facebook, alle lesen sie dieses Buch. Und ich? Ich natürlich auch. Schließlich will ich auch mal zu den coolen Kids gehören.
Dazugehören will auch Hans Stichler, der Protagonist aus Der Club, schon sein ganzes Leben lang. Bislang allerdings erfolglos: Andere Kinder meiden ihn, seine Eltern sind verstorben – Hans ist ganz allein auf der Welt. Abgesehen von seiner etwas merkwürdigen Tante, Alex, zu der er allerdings nie ein besonders enges Verhältnis gehabt hat. Doch nach seinem Schulabschluss geschieht das, was er sich insgeheim immer erhofft hatte: Seine Tante lädt ihn zu sich nach England ein und erwartet ihn dort obendrein auch noch mit einem Stipendium für die Universität Cambridge. Doch all das tut sie nicht ohne Hintergedanken: Hans soll einen elitären Box-Club der Universität infiltrieren, um ein Verbrechen aufzudecken. Doch wie weit muss man gehen um dazuzugehören?

Die ersten Seiten dieses Büchleins sind so wunderschön und einfühlsam geschrieben, dass ich morgens beim Lesen in der U-Bahn beinahe losgeheult hätte. Doch je weiter ich blätterte, desto mehr verlor die Erzählung von ihrem anfänglichen Zauber. Das hing vermutlich auch ein Stück weit damit zusammen, dass ich die Story rund um den Box-Club zwar solide, aber ehrlich gesagt nicht sonderlich interessant fand. Besonders dann, als sie mehr Liebesgeschichte als alles andere wurde. Dennoch bin ich bis zum Ende am Ball geblieben. Was wohl vor allem an den glaubwürdigen und vielschichtigen Charakteren lag, die allesamt nicht das sind, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen.

Takis Würger werde ich in jedem Fall im Auge behalten. Seine wunderbare Schreibe und seine fantastisch gezeichneten Charaktere würde ich sehr gern zusammen mit einer anderen Story sehen.


Murder on the Orient Express

von Agatha Christie

Verlag: Harper, Erstveröffentlichung: 1934, Seiten: 336, ISBN: 978-0062073501, Deutscher Titel: Mord im Orientexpress: Ein Fall für Poirot (Verlag: Atlantik, ISBN: 978-3455650013)

Tja, vermutlich brauche ich nicht allzu viele Worte über den berühmten Mord im Orientexpress zu verlieren. Bestimmt weiß schon jeder, wen der Detektiv, Hercule Poirot, am Ende als Täter deklariert. Da ich aber erst mit einiger Verspätung auf den Agatha Christie Zug aufgesprungen bin (Wortspiel unbeabsichtigt), wusste ich noch nicht, wer der Übeltäter ist, und konnte so unvoreingenommen miträtseln. Ich bin natürlich trotzdem nicht zum richtigen Schluss gekommen.  Zwar war ich hier und da auf der richtigen Spur, aber ich bin dann doch manchmal auf die falschen Fährten hereingefallen, die Frau Christie ganz geschickt in ihrer Geschichte verteilt hat. Anstatt mich darüber zu ärgern, habe ich mich aber lieber an der spannenden Story, dem gewieften Detektiv und dem wunderbaren Rätselraten erfreut.


Alleine ist man weniger zusammen

von Paul Bokowski

Verlag: Manhattan, Erstveröffentlichung: 2015, Seiten: 160, ISBN: 978-3442547579

Vor ein paar Jahren bin ich auf ein Buch mit dem Titel „Hauptsache nichts mit Menschen“ gestoßen. Damals, als meine Misanthropie gerade im Zenit stand, sprach mich dieser Titel an wie kein zweiter. In diesem Buch erzählte der Autor, Paul Bokowski, amüsante Geschichten aus dem Großstadtleben im Allgemeinen und aus seinem Kiez im Speziellen. Es trifft sich nun, dass der Kiez, in dem Herr Bokowski wohnt, auch der Kiez ist, in dem ich wohne – den Autor habe ich sogar schon öfter an der Kasse beim Kaisers gesehen (allerdings noch nie bei netto). Diese Geschichten sprachen mir also aus der Weddinger-Seele und ich wäre vor Lachen ein ums andere Mal beinahe von meinem Balkon gekugelt. Dementsprechend waren die Erwartungen an das zweite Werk gesammelter Geschichten, Alleine ist man weniger zusammen, nicht gerade gering. Und ich muss zugeben, an seinen Vorgänger kommt das Buch tatsächlich nicht ganz heran. Aber ich habe mich trotzdem ausgesprochen gut amüsiert. Dem einen oder anderen meiner Mireisenden in der Bahn konnte man die Frage ‚Warum kichert die denn die ganze Zeit so dämlich?‘ regelrecht vom Gesicht ablesen.


The White Hare

von Michael Fishwick

Verlag: Head of Zeus, Erstveröffentlichung: 2017, Seiten: 248, ISBN: 978-1786690517, Deutscher Titel: Bisher nicht erschienen

Ja, ich weiß, man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Aber wer noch nie ein Buch gekauft hat, weil es hübsch aussah, der werfe das erste Lesezeichen.
Das wunderschöne Cover von Michael Fishwicks The White Hare hatte mich einfach so sehr angesprochen, dass ich das Buch keiner besonders gründlichen Leseprobe unterzogen habe, sondern es lieber gleich schnell zur Kasse getragen habe.
So wirklich bereut habe ich meinen Spontankauf zwar nicht, aber die Geschichte hat mich auch nicht unbedingt vom Hocker gerissen.

Ich hatte das Gefühl, dass dieses Büchlein versucht, zu viel auf einmal zu sein: Mit Robbie treffen wir einen Protagonisten dessen tragische Backstory, psychische Probleme und kriminelle Vergangenheit allein schon ein Buch füllen könnten. Hier kommt aber noch eine mysteriöse Legende um eine weiße Häsin hinzu, die immer dann erscheint, wenn eine Frau zurückgelassen von ihrem Liebhaber stirbt. Beides zusammen ergibt einen doch recht ungewohnten Mix aus Mystery und Coming of Age Geschichte. Gewürzt wird das Ganze dann noch mit einer verschwiegenen Dorfgemeinschaft unter deren Oberfläche Geheimnisse brodeln, schwierigen Freundschaften, Liebe, Selbstmord und düsteren Visionen. Das sind zwar alles Thematiken, für die ich mich interessiere, aber für knapp 250 Seiten sind es einfach zu viele. Besonders wenn es der sprunghafte Schreibstil hier und da schwierig zusätzlich macht, der Story zu folgen. Im Endeffekt führen die vielen verschiedenen Themen nur dazu, dass die wenigsten davon am Ende auch zufriedenstellend aufgelöst werden. Das ist schade, denn spannend war die Geschichte auf jeden Fall – sie hätte sich nur gerne etwas mehr Zeit nehmen können.


Over and Out.

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