Adventskalender | 8. Dezember: Der schönste Weihnachtsfilm seit Langem!

Guten Morgen, guten Tag, guten Abend – je nachdem, wann ihr dieses Türchen hier öffnet. Bisher haben wir uns in diesem Weihnachtsgeschichten Adventskalender bis auf eine Ausnahme mit ‚Klassikern‘ beschäftigt – zwei davon sind sogar schon weit über 100 Jahre alt. Der Film, der hinter Türchen Nummer 8 steckt, ist dagegen fast noch ein Baby. Er wurde erst vor einem Monat veröffentlicht.

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Klaus
(2019)

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Ursprünglich hatte ich gar nicht geplant, diesen Zeichentrickfilm hier vorzustellen. Die Auswahl der Geschichten für diesen Adventskalender war schließlich schon vor Wochen abgeschlossen. Aber dann kam Klaus und hat mich so verzaubert, dass ich kurzerhand umdisponieren musste. Es ist der süßeste, warmherzigste Weihnachtsfilm, den ich seit Langem gesehen habe.

Nun, der Film heißt Klaus – es ist daher recht offensichtlich, dass es hier um Santa geht. Aber der Protagonist ist nicht der Weihnachtsmann, sondern ein verwöhnter Bengel namens Jesper, der aufgrund seiner schlechten Leistung bei der Ausbildung zum Postmann in das weit, weit, weit nördlich gelegene Smeerensburg versetzt wird. Den Ort kann er erst dann wieder verlassen, wenn er dort 6000 Briefe zugestellt hat. Das Problem? Die Bewohner von Smeerensburg schreiben keine Briefe – manche von ihnen können noch nicht einmal lesen. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum Smeerensburg so ein ungemütlicher Ort ist. Die Hälfte der Bewohner verabscheut die andere Hälfte. Es tobt eine Jahrhunderte währender Kampf, der sich von Zeit zu Zeit auch gewaltsam entlädt. Wie könnte man das nun ändern? Tja, es bedarf offenbar ein wenig Weihnachtszauber! Aber davon ist in Smeerensburg anfangs nicht zu finden. Kurz bevor Jesper vollkommen resigniert, trifft er auf den geheimnisvollen Klaus, der außerhalb des Ortes in seiner Spielzeugwerkstatt lebt. Das bringt Jesper auf eine Idee: Wenn die Kinder des Ortes wüssten, was für wundervolle Spielzeuge bei Klaus stünden, würden sie ihm Briefe schicken, in denen sie ihn um Geschenke bitten. Damit wären Jespers Probleme gelöst und so bringt er Klaus dazu, seine Spielzeuge zu spenden. Und das Weihnachtsabenteuer beginnt…

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Im Original ist Klaus ein englischsprachiger Film, aber wurde von einem spanischen Team entwickelt – beides würde man vom Filmtitel Klaus vielleicht nicht ableiten. Regisseur und Drehbuchautor Sergio Pablos gibt hier sein Regiedebüt. Unbekannt ist ihm das Zeichentrickgenre allerdings nicht, denn Pablos wirkte bei Disney an Filmen wie Tarzan, Aladdin und Der Glöckner von Notre Dame mit. Nachdem er ein eigenes Animationsstudio in Madrid auf die Beine gestellt hatte, wollte Pablos mit Klaus erkunden, wie sich das Genre Zeichentrickfilm wohl weiterentwickelt hätte, wenn Disney und Co. nicht auf computeranimierte Filme umgestellt hätten. Handgezeichnete Trickfilme findet man heute in den Kinos schließlich kaum noch. Für den Look des Films versuchte man deshalb die technischen Grenzen der früheren Zeichentrickfilme auszuhebeln, indem man mit digitalen Lichteffekten und Texturierung arbeitete. Man wollte weg von dem aufkleberartigen Figuren, sich auf starren Hintergründen bewegten. Das Ergebnis ist beeindruckend. Manchmal mag man kaum glauben, dass es sich hierbei um 2D-Animationen handelt. Der Film hat einen einzigartigen, modernen Look und wirkt dennoch handgemacht. Große Klasse!

Hier mal ein kurzer Einblick in die einzelnen Produktionsschritte:

Der erste Teaser für das Projekt entstand bereits 2015, aber Für Sergio Pablos und sein Team war es lange Zeit schwer, die notwendigen Investoren, Co-Produzenten und Vertriebspartner für ihr ehrgeiziges Projekt mit an Bord zu holen. Viele Studios stuften ein Investment in diesen handgezeichneten Film als zu riskant ein. Aber 2017 gab Netflix bekannt, dass sie die Rechte an Klaus erworben hatten und der Film 2019 erscheinen würde. Es wird gemunkelt, dass Netflix mit Klaus den Oscar-Kurs fortsetzen möchte und nun auf eine Auszeichnung in der Kategorie Bester animierter Spielfilm schielt, nachdem die Netflix-Eigenproduktion Roma im letzten Jahr bereits Beste Kamera, Beste Regie und Bester Fremdsprachiger Film gewann.

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Aber genug der Formalitäten und technischen Details. Was ich eigentlich nur sagen wollte: Schaut euch Klaus an! Denn der Film sieht nicht nur cool aus, sondern erzählt eine wunderschöne Geschichte von Freundschaft und Nächstenliebe, die unglaublich witzig, liebenswürdig und aufmunternd ist und natürlich eine weihnachtliche Botschaft hat: „A true selfless act always sparks another.“
Aber natürlich herrscht auch in dieser Geschichte nicht ausschließlich eitel Sonnenschein. Der Film wird an genau den richtigen Stellen sentimental und traurig – auch das muss ein Weihnachtsfilm können. Wie wir erfahren, lebt Klaus nicht ohne Grund zurückgezogen und natürlich gibt es auch eine moralische Kontroverse für Jesper: Denn was wird er tun, wenn er sein Ziel erreicht hat und 6000 Briefe zugestellt hat? Wird er Smeerensburg den Rücken kehren? Und vor allem: Was werden wohl seine neuen Freunde dazu sagen, wenn sie herausfinden, dass die ganze Weihnachtsidee eigentlich nur darauf fußt, dass Jesper den Ort so schnell wie möglich verlassen wollte? Findet es auf Netflix heraus! (Und legt euch vielleicht ein paar Taschentücher bereit.)
Ich bin mir sicher, dass Klaus in ein paar Jahren schon als Klassiker gehandelt wird – der Film hat einfach alles, was ein richtig schöner Weihnachtsfilm braucht. Hach!

Bis morgen, liebe Freunde! Ich wünsche euch einen zauberhaften Zweiten Advent!

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There is one comment

  1. nina. aka wippsteerts

    Dem kann ich nur in allen Punkten voll und ganz zustimmen. Erfrischend anderer Look, nicht kitschig und doch rührend, lustig und natürlich auch mit Botschaft. Ich liebe ja die Szene in der Schule mit dem ganzen Fisch!
    Dir einen wunderschönen zweiten Advent!
    Liebe Grüße
    Nina

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