Das #bakerstreetblogs Weihnachtspecial: Lesetipps und Geschenkideen für Sherlock Holmes Fans

Guess who’s back!
Die #bakerstreetblogs sind wieder da! Unsere Blogaktion erwacht für ein kleines Weihnachtsspecial aus dem Winterschlaf. Wie es Specials so an sich haben, weichen wir ein bisschen vom üblichen Format ab. Es geht heute mal weniger um das das Analysieren von Hintergründen, Motiven oder Charakteren, sondern um Empfehlungen. Was haben wir euch also Weihnachtliches mitgebracht?
Auf Ant1heldin erfahrt ihr von Sabine, bei welchen originalen Holmes Geschichten so richtig winter- und weihnachtliche Stimmung aufkommt. Ich habe euch ein paar sherlockianische Bücher mitgebracht, die man Sherlock Holmes Fans ganz hervorragend zu Weihnachten schenken kann. Schließlich sind Bücher einfach die schönsten Geschenke. Man kann sie natürlich an den freien Tagen des Weihnachtsfests auch einfach selbst lesen – man muss sich auch mal was gönnen 😉

Weihnachtsspecial Beitragsbild

Alle Bücher, die ich im Gepäck habe, sind Sherlock Holmes Pastiches, also Nachahmungen. (Mehr dazu gibt es im #bakerstreetblogs Artikel zum Thema).
Weil ich nicht genug vom Meisterdetektiv bekommen kann, sind Pastiches meine – gar nicht mal so geheime – Leidenschaft. Von den 53 Büchern, die ich bisher in diesem Jahr gelesen habe, sind 13 in diese Kategorie zu zählen. Die Highlights meines sherlockianischen Lesejahres habe ich euch heute mitgebracht. Wie es der Zufall so will, ist sogar ein Weihnachtskrimi dabei! Einige der Bücher, die ich euch gleich vorstelle, sind erst in diesem Jahr erschienen – der neueste Schrei in der sherlockianischen Welt quasi. Andere haben stammen aus den Vorjahren, was sie aber natürlich nicht weniger lesenswert macht. Lange Reden will ich aber nicht schwingen – wer hat im Weihnachtsstress schon Zeit, lange Artikel zu lesen? Bei jedem der fünf Bücher fasse ich daher nur kurz zusammen, worum es geht, teile meine Leseeindrücke und sage ich euch dann noch, für wen das Buch das ideale Geschenk wäre. Bereit? Es geht los!

Sherlock Holmes trifft H.P. Lovecraft

Neil Gaiman: A Study in Emerald
Illustrationen und Adaption von Rafael Albuquerque, Rafael Scavone & Dave Stuart
Dark Horse Books, 2018, 88 Seiten, ISBN-13: 9781506703930

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Darum geht’s: Dieses Crossover vermischt Lovecrafts Cthulhu-Mythos (wie spricht man das eigentlich aus?) mit einem Holmes-Abenteuer. Ganz klassisch, gilt es einen Mord aufzuklären. Aber der Fall ist alles andere als normal – und das nicht nur, weil das Opfer grünes Blut hat…

Mein Eindruck: Neil Gaimans A Study in Emerald war ursprünglich keine Graphic Novel, sondern eine Kurzgeschichte – und ich habe sie bereits in dieser Form geliebt. Es ist eine fantastisch aufgebaute Story, die herrlich mit den Erwartungen und Annahmen des Lesers spielt. Der Plot-Twist ist der absolute Star dieser Geschichte und ich liebe sie dafür, mich ziemlich lang erfolgreich zum Narren gehalten zu haben. In der Kurzgeschichte hat man in etwa ab der Hälfte das Gefühl, dass etwas nicht stimmt und riecht die Lunte. Die Graphic Novel verbirgt den Twist etwas länger. Das Artwork ist nicht nur wunderschön, sondern schafft mit den dunklen Farben die perfekte Atmosphäre für Gaimans düstere Erzählung. Ich finde daher, die Graphic Novel ist sogar noch eine Verbesserung der ursprünglichen Kurzgeschichte. Zwei Daumen hoch für dieses herrlich bizarre und düstere Holmes-Cthulhu Crossover.

Das perfekte Geschenk für: Holmes-Fans, Lovecraft-Anhänger, Gaiman-Bewunderer, Graphic Novel Enthusiasten – die Liste derer, die man mit dieser Adaption von A Study in Emerald erfreuen kann, ist lang!

Neue Fälle für den Meisterdetektiv

Martin Rosenstock (Ed.): Sherlock Holmes: The Sign of Seven
Mit Geschichten von Lyndsay Faye, Andrew Lane, Amy Thomas uvm.
Titan Books, 2019, 511 Seiten, ISBN-13: 9781785659034

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Darum geht’s: Wie der Name schon vermuten lässt, ist The Sign of Seven eine Sammlung von sieben Sherlock Holmes Geschichten. Jede von einer anderen Autorin oder einem anderen Autor. So unterschiedlich wie die Autoren, sind auch die Storys – keines dieser neuen Abenteuer gleicht dem anderen. Was die Geschichten jedoch gemein haben, ist, dass sie alle zu lang für Kurzgeschichten, aber noch nicht lang genug sind, um Romane zu sein. Es sind also Novellen.

Mein Eindruck: Ich will ganz ehrlich sein. Der einzige Grund, warum ich dieses Buch gekauft habe, war, dass eine neue Sherlock Holmes Geschichte von Lyndsay Faye darin ist. Sie ist für mich die unangefochtene Königin der Sherlock Holmes Pastiches und ich möchte keine ihrer Geschichten verpassen. Daher hat es mich auch wenig überrascht, dass ihre Geschichte Our Common Correspondent (eine bewegende Geschichte aus der Perpektive von Inspector Lestrade) die stärkste Geschichte in dieser Sammlung ist. Für mich hat sich das Buch allein schon wegen dieser Story gelohnt. Aber es wäre ja nahezu verwegen, euch das Buch wegen einer einzigen guten Geschichte ans Herz zu legen. Nein, auch die anderen sechs Geschichten können sich durchaus sehen lassen. Ob ich mich an alle davon lange erinnern werde, weiß ich zwar nicht, aber ich fühlte mich gut unterhalten, als ich sie gelesen habe – besonders durch Andrew Lane’s The Dark Carnival. Dunkle Geheimnisse in Londons High Society sind immer ein guter Krimistoff.
Bei allen sieben Nachahmungen, bekommt man das „Holmes-Feeling“, das für einen guten Pastiche unerlässlich ist. Es ist außerdem schön, dass diese Abenteuer etwas länger sind als eine normale Kurzgeschichte. So können Fälle etwas komplexer sein, ohne dass die Story an Tempo einbüßt.

Das perfekte Geschenk für: Alle Fans der originalen Sherlock Holmes Geschichten, die sich nach weiteren Abenteuern sehnen. Für Fans von Lyndsay Faye ist das Buch außerdem Pflichtlektüre – Our Common Correspondent erschien bisher exklusiv in dieser Sammlung.

Ein Weihnachtskrimi

James Lovegrove: Sherlock Holmes & The Christmas Demon
Titan Books, 2019, 375 Seiten, ISBN-13: 9781785658020

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Darum geht’s: Es ist 1890, und in den Tagen vor Weihnachten werden Sherlock Holmes und Dr. Watson in der Baker Street von einer neuen Klientin besucht. Eve Allerthorpe – älteste Tochter einer wohlhabenden, aber exzentrischen Dynastie aus Yorkshire – ist sehr verzweifelt, da sie glaubt, von einem dämonischen Weihnachtsgeist verfolgt zu werden. Watson und Holmes reisen nach Fellscar Keep, um der Sache auf den Grund zu gehen. Doch auf dem herrschaftlichen Anwesen angekommen, jagt ein Rätsel das nächste.

Mein Eindruck: Ein verschneiter Landsitz, Bewohner, die Geheimnisse vertuschen, bizarre Verbrechen, ein exzentrischer Ermittler – das ist der Stoff, aus dem Weihnachtskrimis gemacht sind! Lovegrove hat mit Sherlock Holmes & The Christmas Demon die perfekte Lektüre für winterliche Lesestunden geschaffen. Der Einstieg dieses Buches ist fulminant: Holmes jagt den Weihnachtsmann durch ein Kaufhaus und Watson tackled Santa dann zu Boden. Danach wird das Tempo dieses Krimis beinahe schon gemütlich, nimmt aber natürlich an den richtigen Stellen wieder Fahrt auf. Dieser Whodunit fesselt, ohne zu abenteuerlich oder reißerisch zu werden. Holmes und Watson passen perfekt in das Setting des uralten Landsitzes. Die Story überzeugt mit der winterlichen Atmosphäre einer Weihnachtsgeschichte und der notwendigen Bedrohlichkeit eines Whodunits. Lovegrove fängt die Stimmung und den Stil der originalen Sherlock Holmes Geschichten schön ein. Nur einen Unterschied gibt es: Watson ist ein bisschen sarkastischer als im Original – und das steht ihm gut.

Das perfekte Geschenk für: Krimifans! Man muss noch nicht einmal ein Sherlock Holmes Fan sein, um sich an diesem weihnachtlichen Fall nach Art eines klassischen, britischen Whodunits zu erfreuen. Wer „Cozy Crime“ á la Agatha Christie mag, wird sich hier wohlfühlen.

Nebenfiguren im Spotlight

George Mann (Ed.): Associates of Sherlock Holmes
Mit Geschichten von Kara Dennison, Jonathan Barnes, Lyndsay Faye uvm.
Titan Books, 2016, 378 Seiten, ISBN13: 9781783299300

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Darum geht’s: Bis auf drei Ausnahmen haben alle 60 originalen Sherlock Holmes Abenteuer eines gemeinsam: Watson ist der Erzähler der Geschichte. In dieser Sammlung übernehmen jedoch andere die Schreibfeder. Jede der Geschichten wird aus der Perspektive eines anderen Wegbegleiters, Bekannten oder Gegners des großen Detektivs geschrieben. Mit dabei sind nicht nur „die üblichen Verdächtigen“ wie Irene Adler oder Moriarty, sondern auch unbekanntere Figuren wie Langdale Pike oder „Billy the Page Boy“.

Mein Eindruck: Ich finde das Konzept dieses Buches grandios! In jeder Geschichte einen anderen Erzähler zu haben – insbesondere dann, wenn der sonst selten im Fokus steht – ist eine tolle Abwechslung. Besonders schön ist dabei natürlich, dass diese Randfiguren in ihren Geschichten oft eine Backstory bekommen oder ihren Charakteren so mehr Komplexität verliehen wird als in den Originalen. Sie werden hier von Nebenfiguren zu Protagonisten und erlauben deshalb eine spannende Sicht auf das Phänomen Holmes. Denn längst nicht alle von ihnen haben so viel Bewunderung für Holmes übrig wie der gute Dr. Watson.
Dennoch gibt es – wie in fast jeder Sammlung – hier zwar sehr starke, aber auch ziemlich schwache Geschichten. Aber das gehört eben dazu – es war ja auch bei Arthur Conan Doyles Geschichten nicht anders. Associates of Sherlock Holmes ist alles in allem trotzdem eine gelungene Zusammenstellung von Kurzgeschichten, die vor allem mit ihrem starken Konzept überzeugt.

Das perfekte Geschenk für: Echte Sherlock Holmes Nerds. Wer sich nicht so gut mit den Sherlock Holmes Originalen auskennt, wird vielleicht ein paar Schwierigkeiten haben, zuordnen zu können, was einige Figuren überhaupt mit Sherlock Holmes zu tun haben. Welcher „Casual Reader“ wüsste schon, wer Langdale Pike ist? Wer jedoch schon etwas tiefer in der Materie steckt, wird den ungewöhnlichen Blick auf den Meisterdetektiv und das Spotlight für Nebenfiguren des Sherlock Holmes Universums sicherlich genießen.

Holmes vs. Fake News

Nicholas Meyer: The Adventure of the Peculiar Protocols
Minotaur Books, 2019, 256 Seiten, ISBN-13: 9781250228956

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Darum geht‘s: Holmes und Watson werden von Holmes‘ Bruder Mycroft mit einem streng geheimen Fall betraut: Die Leiche einer Agentin des britischen Geheimdienstes wurde in der Themse gefunden – in ihrer Tasche ein, nach England geschmuggeltes, Manuskript: Die angebliche Mitschrift des Treffens einer geheimen Gruppe, die nichts anderes als die Weltherrschaft anstrebt. The Adventure of the Peculiar Protocols führt das berühmte Duo – in Begleitung einer atemberaubenden Frau – ins Herz des Zarenreichs Russland. Dort versuchen sie, die Ursprünge dieses explosiven Dokuments zu verfolgen. Was sie aufdecken, ist eine Verschwörung, die so groß ist, dass selbst Sherlock Holmes an seine Grenzen gelangt.

Mein Eindruck: Nun… The Adventure of the Peculiar Protocols ist Meyers erster Pastiche seit über 20 Jahren und ich habe der Veröffentlichung entgegengefiebert. In vielerlei Hinsicht war dieses Buch genau das, was ich erwartet habe: Ein ausgezeichneter Pastiche. Meyer knüpft problemlos an die Qualität seiner anderen Geschichten (The Seven Pervent Solution und The West End Horror) an. Wie immer taucht hier ein verloren geglaubtes Manuskript von Watson auf, das Meyer lektoriert. Seine Fußnoten sind faszinierend und manchmal urkomisch, er spielt mit Mythen rund ums Thema Holmes (hier zum Beispiel seine Sexualität betreffend), die Sprache ist ganz nah an der Doyle’s, die Charaktere sind originalgetreu und gehen gleichzeitig noch eine Spur tiefer. Und doch war dieses Buch so ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es ist nicht nur eine Sherlock Holmes Geschichte, sondern Meyer betrachtet hier Themen wie Antisemitismus und Fake News mit einer Eindringlichkeit, die unter die Haut geht. Zu meinem Entsetzen fand ich heraus, dass diese „Protokolle“, um die es hier geht, tatsächlich existierten: Es handelt sich um die „Protokolle der Weisen von Zion“, einer Fälschung, die bis heute Judenhass befeuert.

Dieses Buch ließ mich mit einem merkwürdigen Gefühl zurück. Ich musste nach der letzten Seite den Drang unterdrücken, loszuschluchzen und brauchte erst einmal ein paar Minuten, um mich zu sammeln. Meyer wollte mit The Adventure of the Peculiar Protocols einen Pastiche schreiben, der klassisch wirkt, aber trotzdem aktuelle Themen aufgreift. Dieses Vorhaben ist mehr als gelungen. So sehr, dass es fast schon unangenehm ist. Die Betrachtung des Fake-News Phänomens in diesem Kontext ist mehr als aufwühlend. Im Fokus dieses Buches stehen Falschinformation als Mittel der Manipulation und Menschen, die alles glauben, was sie glauben wollen – unabhängig von den Fakten. Das ist ein Thema, das zu Holmes‘-Zeiten schon relevant war und heute noch ist. Die Kombination von Holmes und diesem mehr als aktuellen Thema zog mir ein bisschen den Boden unter den Füßen weg. Denn was hat ein Held wie Holmes – ein viktorianischer Detektiv, dessen Methoden auf kalter Vernunft und rationalem Denken basieren (und perfekt geeignet sind, um kleine Rätsel zu lösen) – gegen die Verbrechen des 20. und 21. Jahrhunderts in der Hand? Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich unterhalten werden wollte, am Ende gab es mir viel zum Nachdenken.

Das optimale Geschenk für: Leser von historischen Romanen, Menschen, die sich für die Thematik „Fake News“ interessieren und Liebhaber großartiger Sherlock Holmes Pastiches.


So, das war es erst einmal mit den Leseempfehlungen. War etwas für euch oder eure sherlockianischen Liebsten dabei? Verratet es mir doch in den Kommentaren oder auf den Social Media Kanälen mit dem Hashtag #bakerstreetblogs.

Nun aber rüber zu Sabines Artikel und wunderbar winterlichen Geschichten aus dem Sherlock Holmes Kanon. Viel Spaß! Und weil wir uns im Rahmen der #bakerstreetblogs nicht nochmal lesen, bevor die Dekade zu Ende geht: ‚Compliments of the Season!‘ Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr!

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