Heureka! Mein Favorit für den Blogbuster Preis 2020

Vor ein paar Monaten erreichte mich eine E-Mail, die mir eine wichtige Frage stellte: Karo, hättest du Lust, in diesem Jahr Teil der Bloggerjury für den Blogbuster Preis zu sein?
BB
Hatte ich natürlich! Denn wo bekommt man sonst schon einmal die Möglichkeit, so aktiv am Literaturbetrieb mitzuwirken? Falls ihr euch jetzt aber fragt, was genau der Blogbuster Preis ist, braucht ihr nicht rüber zu Google zu laufen. Die Antwort gibt es hier:

Was ist der Blogbuster Preis?

Der Blogbuster Preis sucht in diesem Jahr zum dritten Mal nach einem herausragenden Talent im Bereich der Gegenwartsliteratur. Mitmachen kann jede:r Autor:in, der/die einen fertiges Romanmanuskript zur Hand hat, aber damit noch nicht bei einem Verlag unter Vertrag steht. Der Roman des Gewinners oder der Gewinnerin wird 2021 beim Eichborn Verlag veröffentlicht.

Wie läuft das Ganze ab und was haben Blogs damit zu tun?
Der Blogbuster Preis trägt den schönen Untertitel „Preis der Literaturblogger“ – und zwar, weil es neben einer Fachjury auch eine Bloggerjury gibt. Diese besteht in diesem Jahr aus 10 Bloggern und Bloggerinnen: Stefan Härtel (Bookster HRO), Julia Schmitz (Fräulein Julia), Anne Sauer (fuxbooks), Marius Müller (Buch-Haltung), Andrea Schuster (Lesen…in vollen Zügen), Isabella Caldart (novellieren), Romy Henze (Travel without moving), Sophie Palme (VerStand), Constanze Matthes (Zeichen & Zeiten) und meiner Wenigkeit.
Die Autor:innen wählen eines der Mitglieder der Bloggerjury aus und reichen dort ein Exposé und eine ca. 20-seitige Leseprobe ein. Die Blogger:innen sichten diese und fragen bei Interesse das gesamte Manuskript an.
Am Ende der Bloggerjury-Phase wählt jede:r Blogger:in einen Favoriten aus, sodass eine Longlist von 10 Romanen entsteht, die dann an eine Fachjury weitergegeben wird. Und genau in dieser Phase, liebe Leute, befinden wir uns gerade. Die Nominierung erfolgt über einen Blogpost – wie sollte es auch anders sein bei einer Bloggerjury. Dies hier ist, wie ihr euch nun vielleicht denken könnt, mein Nominierungsblogpost.

Wer die Wahl hat…

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich hatte vorab ein wenig Angst, dass überhaupt keine Leseproben bei mir eingehen würden. So wie man im Sportunterricht immer fürchtete, dass man in kein Team gewählt wird. Schließlich ist Fiktion fetzt kein Blog, der eine riesige Leserschaft hat und zudem habe ich hier in letzter Zeit viel über viktorianische Detektive gebloggt, was, wie ich fürchtete, bei einem Preis für deutschsprachige Gegenwartsliteratur eher abschreckend wirken könnte. Aber es sind dann doch einige Leseproben bei mir gelandet – 16 insgesamt. An dieser Stelle einmal vielen Dank an alle Autorinnen und Autoren, die ihr Vertrauen in mich gesetzt haben. Die Leseproben waren unglaublich vielfältig – von erotischen Abenteuern, Coming-of-Age Geschichten, bis zu gesellschaftskritischen Romanen war alles dabei.

Ich ging an die Sache heran, wie bei einem Besuch im Lieblingsbuchladen. Die Leseproben waren gewissermaßen die Klappentexte der Bücher, die man dort aus den Regalen zieht. Manche las ich ganz, bei anderen merkte ich schnell, dass sie nicht zu mir passen würden. Im Buchladen mache ich es dann so, dass ich die Bücher, deren Klappentexte mich überzeugen, in eine stille Ecke trage und dann in aller Ruhe darin schmökere. Das habe ich auch hier getan. Vier Leseproben haben mich besonders angesprochen und so habe ich die Autor:innen um die kompletten Manuskripte gebeten.
Es war eine ziemlich ungewöhnliche Leseerfahrung für mich. Denn normalerweise lese ich „fertige“ Bücher. Dies hier waren jedoch weitestgehend unlektorierte Manuskripte. Das bedeutete eine kleine Umstellung. Aber es war in jedem Fall eine interessante Erfahrung und es machte unglaublich Spaß, darüber nachzudenken, wie der Roman wohl bei der Veröffentlichung aussehen könnte.

Die Spannung steigt

Nun dachte ich aber natürlich, dass ich mich, wenn ich die Manuskripte erstmal vor mir habe, schnell entscheiden könnte. Man kennt das ja: Man liest ein paar Seiten und merkt dann: Das ist nichts für mich. Hier war das jedoch erst einmal nicht der Fall. Vor allem sprachlich überzeugten alle vier und immer, wenn ich dachte: „Ja das wird mein Favorit“, las ich ein paar Seiten vom nächsten Buch und dachte davon dasselbe. Bis ich mit den Büchern ca. zur Hälfte durch war, hatte ich also keinen klaren Favoriten ins Auge gefasst. Dann jedoch setzte einer der Romane zum Überholmanöver an. Ich merke immer, dass ich ein Buch mag, wenn mich Story und Charaktere auch beschäftigen, während ich das Buch grade nicht lese. Wenn ich also während des Tages darüber nachdenke, wie es wohl weitergeht. Und – oh ja – bei diesem Roman wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht, wollte weiterlesen, bis nichts mehr vom Buch übrig war.

AND THE WINNER IS…

Welcher Roman war es also, der mich so in den Bann gezogen hat? Wen möchte ich für den Blogbuster Preis ins Rennen schicken? Ganz klar:

Die Klassenkameradin von Martina Berscheid!

Worum geht es in diesem Roman?
Evas Leben scheint nach außen hin vollkommen normal: Ehemann, Haus, Tochter – ein Leben im Kleinstadtidyll. Doch Eva fühlt sich eingeengt durch den Alltag in einem kleinen Örtchen, durch ihren Ehemann, dessen Fürsorge und Kontrollzwang sie erdrücken, durch ein Leben, das so viel weniger bietet, als Eva sich in ihrer Jugend ausgemalt hatte. Auf einem Klassentreffen trifft sie schließlich die selbstbewusste Agnès – eine Femme Fatale, deren extravagantes Leben auf sie einen unwiderstehlichen Reiz ausübt. So sehr, dass Eva beginnt, ihren Lebensstil zu kopieren. Als Agnès auf Geschäftsreise geht und Eva ihre Wohnung hütet, schlüpft sie in die Rolle der „Vivian“, und taucht ein in Agnès‘ Welt des Rausches und des Vergnügens. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Nach und nach eröffnen sich dunkle Geheimnisse, die unter der schillernden Fassade von Agnés‘ Leben schlummern…

Was mir daran so gefiel:
Die Klassenkameradin ist ein Roman über Selbstbestimmung, über die Faszination des Scheins und darüber, wie wichtig es ist, den eigenen Weg zu finden. Damit trifft Martina Berscheid thematisch genau den Zeitgeist. Aber auch sprachlich weiß sie zu überzeugen – klar aber einfühlsam leiten die Worte durch die Geschichte, zeichnen die Beziehungen der Figuren zueinander ebenso mitreißend wie ihre inneren Konflikte. Auch der Spannungsbogen ist großartig aufgebaut – auf dem Höhepunkt, vergisst man beinahe zu atmen. Vor allem aber waren es die Charaktere, die mich begeistert haben. Eva im speziellen ist eine Figur, von der wir mehr in der Buchlandschaft brauchen. Eine Frau, die ihren Weg erst noch finden muss. Keine aufpolierte Klischee-Heldin, sondern eine Figur, die zweifelt, mit sich hadert. Eine Figur, die Fehler begeht, deren Sehnsüchte und Wünsche und man als Leser:in jedoch zu jeder Zeit nachvollziehen kann. Bitte mehr davon! Dass ich diesen Roman nominieren musste, stand für mich außer Frage!


Mehr Infos zum Blogbuster Preis findet ihr HIER. Wen die anderen Blogger ins Rennen schicken, verlinke ich, sobald die Posts erscheinen. Und ich halte euch natürlich auf dem Laufenden, welche Romane es auf die Shortlist schaffen. Stay tuned!

Hier kommt ihr zu den Favoriten der anderen Blogger:innen: Bookster HRO, Travel without moving, Fräulein Julia, Zeichen & Zeiten, Lesen… in vollen Zügen, fuxbooks

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